7 Schritte bis zur Scheidung

Scheidung

Manche Paare versuchen es lange und wünschen sich, dass es eine gemeinsame Zukunft gibt, doch irgendwann stellt sich heraus, es geht wirklich nicht mehr. Es kommt zur Scheidung. Entweder einvernehmlich oder sie streiten sich weiter, dann dauert es lange bis sie wirklich geschieden sind. Diese 7 Schritte gehen sie alle, manche eben etwas schneller als andere.

1. Die Scheidung beginnt mit dem Trennungsjahr

Ja, das Trennungsjahr muss eingehalten werden, sogar dann, wenn das Paar nur einen Tag verheiratet war oder beide die Ehe nicht offiziell vollzogen haben. Es gibt Härtefallregelungen aber die werden sehr selten gewährt.

Natürlich ist es auch gut, ein Trennungsjahr einzuhalten, denn manchmal wird daraus lediglich eine Auszeit von der Beziehung und beide finden wieder zueinander. Der Gesetzgeber fordert in diesem Trennungsjahr das Paar auf, ganz genau zu prüfen, ob wirklich alles vorbei ist.

Am Anfang tritt eine gewisse Entspannung ein, der Streit ist vorbei, eine Entscheidung scheint manchmal nach langem Ringen endlich gefallen zu sein. Wenn einer von beiden sich noch Hoffnungen macht und der oder die andere nicht, kann gerade das Trennungsjahr noch einmal für große Spannung sorgen. Trauer, Schuld und Scham breiten sich aus, manchmal auch Erleichterung. Beide Partner lernen wieder, diese Gefühle mit sich alleine auszuhalten und nicht den Partner emotional einzubinden. Da entsteht manchmal eine Leere, die gefüllt werden will.

2. Ein Anwalt für die Scheidung

Ohne Anwalt geht es nicht, denn den Antrag auf Scheidung kann nur ein Anwalt stellen. Es kommen also in jeden Fall Anwaltskosten auf das Paar zu, auch wenn sie sich einvernehmlich scheiden lassen und es keine oder kaum strittige Punkte gibt. Allerdings brauchen nicht beide Parteien einen Anwalt. Wenn sie sich einig sind, kann ein Partner auf einen Anwalt verzichten. Das bedeutet aber auch für diesen Partner, dass seine Rechte nicht durch einen Anwalt vertreten werden, denn ein Anwalt kann nicht beide Parteien vertreten.

Wenn es keine Probleme gibt, ist das möglich und es spart Kosten. Sind aber noch schwierige Fragen nicht geklärt, wie z.B. der Unterhalt oder das Sorgerecht, sollten sich unbedingt beide einen Anwalt nehmen.

3. Trennung OHNE Scheidung

Einige Paare wollen vor allem Kosten sparen und entscheiden sich zur Trennung OHNE Scheidung. Sie bleiben offiziell verheiratet, trennen sich aber trotzdem. Das geht manchmal viele Jahre gut, schwierig wird das meistens, wenn ein neuer Partner oder eine neue Partnerin ins Spiel kommt. 

Für einen Neustart im Leben und vor allem für den neuen Partner oder die neue Partnerin ist das häufig ein größeres Problem, als sich das getrennte Paar eingestehen möchte. Häufig gibt es auch noch den heimlichen Wunsch, von einem der beiden, dass sie wieder zusammen kommen. Das spürt ein neuer Partner und es wird schwierig in der neuen Beziehung.

Die Streitereien scheinen meist um ganz andere Dinge zu gehen, aber wenn beide einmal ganz ehrlich miteinander sind, dann fühlen sich die neuen Partner immer ein bisschen zurück gewiesen und so als hätten sie nur einen Platz in der zweiten Reihe. In dem Fall gilt es, die eigenen Bedürfnisse ernst zu nehmen und nicht aus Rücksicht so zu tun als wäre es vollkommen okay.

Meistens ist es für die neue Beziehung eine echte Befreiung, wenn sich der Partner doch zu einer Scheidung durchringt.  Wenn ich in meinen Beratungen erfahre, dass einer der beiden noch verheiratet ist, frage ich ganz genau nach, wieviel Hoffnung, Schuldgefühl und Bindung noch vorhanden sind. Und ich frage den neuen Partner ganz genau, ob es ihm oder ihr wirklich nichts ausmacht. Das war bis jetzt noch NIE der Fall!

4. Unterhalt und Versorgungsausgleich

Natürlich geht es bei einer Scheidung um Geld. Wir sind eventuell noch verpflichtet dem anderen Geld zu zahlen oder wir bekommen noch Geld vom Ex-Partner. Auch hier gilt für die eigene Zukunft fast immer, je schneller beide wirklich auch in diesem Sinne frei voneinander sind, desto leichter hat es eine neue Partnerschaft.

Andererseits wurde die Ehe damals mit dem Versprechen geschlossen, gemeinsam bis zum Lebensende füreinander zu sorgen. An dieses Versprechen müssen wir uns halten und wir haben die rechtliche Möglichkeit, den Partner oder die Partnerin dazu zu zwingen, für uns zu sorgen. Es sei denn wir lassen den anderen ganz los und verzichten auf die Einhaltung des Versprechens. Vielleicht ist das Wahnsinn und selbstschädigend, vielleicht ist es aber auch genau der richtige Schritt, um wirklich frei zu sein.

Das ist keine leichte Entscheidung und ich kann jede Frau und jeden Mann verstehen die ihr recht einfordern, weil sie sonst große Armut riskieren.

5. Sorgerecht und Umgangsregelung

Falls mich jemand fragt, plädiere ich eigentlich immer für das gemeinsame Sorgerecht, es sei denn ein Partner ist wirklich unzurechnungsfähig. Alles andere ist für die Kinder schwer auszuhalten, denn sie brauchen in der Regel beide Elternteile.

Wenn ein Elternteil wirklich nicht für die Kinder da sein kann, dann hat der andere die Aufgabe, diesen gut zu vertreten. Es ist nicht leicht, gut über einen Menschen zu sprechen, der uns sehr verletzt hat oder der uns im Stich gelassen hat und uns allein mit der Verantwortung sitzen lässt.

Wenn wir für unsere Kinder aber etwas Gutes tun wollen, dann müssen wir diese Gefühl aus dem Umgang mit dem Kind heraus halten so gut es geht. Leicht ist das nicht, das weiß ich aus eigener Erfahrung. In keinem Fall dürfen wir den Kindern das Gefühl geben, sie seien Schuld an der Scheidung oder daran, dass der andere Elternteil sich nicht kümmern kann.

Für meinen Aufstellungskongress habe ich ein Interview mit der Therapeutin Lisa Böhm geführt, da geht es genau um diese Herausforderung. 

6. Das offizielle Ende einer Ehe

Irgendwann gibt es dann endlich die Scheidungspapiere, alles ist geklärt und die Ehe hat ein hochoffizielles Ende. Manchmal geht es dann noch darum, auch den angeheirateten Namen wieder abzugeben und wieder zum Geburtsnamen zurück zu kehren. Oft ist das wegen der Kinder nicht so einfach. Wieder einmal empfehle ich, ganz genau zu prüfen, ob es stimmig ist, in das Herkunftssystem zurück zu kehren oder, ob der Name wie eine gute Erinnerung an die eigene Geschichte weiterhin getragen werden kann.

Manche Paar zelebrieren die Scheidung sogar gemeinsam. Überall auf der Welt gibt es solche Rituale. In Japan zum Beispiel hauen die Geschiedenen gemeinsam mit einem Hammer die Eheringe platt. Und in Deutschland bieten manche Kirchen sogar einen Scheidungsgottesdienst an. So ein Ritual ist nicht zu unterschätzen, es hilft dabei, die eventuell noch vorhandenen Schuldgefühle zu überwinden, denn meistens fühlt sich eine Scheidung wie ein Scheitern an, schließlich sind wir einmal mit großen Hoffnungen in die Ehe gestartet.

Natürlich können wir uns auch allein ein Ritual überlegen, wie z.B. einen Brief mit all den Worten, die noch gesagt werden müssen, zu verbrennen oder den Ehering zu vergraben und dazu ein paar gute Freunde einzuladen. Hier ist der Kreativität keine Grenze gesetzt, alles was hilft, sich bewusst von der Ehe zu verabschieden ist sinnvoll.

7. Paartherapie als Begleitung durch die Scheidung

Prozessunterstützend gibt es Mediatoren, die vom Gericht gestellt werden, aber auch eine Paartherapie mit dem Ziel eine gute Scheidung hinzubekommen kann sinnvoll sein.

Auch wenn das nicht das übliche Ziel einer Paartherapie ist, konnte ich schon Paare dabei begleiten, sich gut zu trennen. Wer sich dafür interessiert ist herzlich willkommen und kann hier einen Termin für ein kostenloses Vorgespräch vereinbaren.

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