Selbstliebe wie geht das?

Selbstliebe

Es heißt ja immer und überall, Selbstliebe sei die Voraussetzung dafür, dass wir überhaupt von anderen geliebt werden können. Leider ist es doch so, dass die wenigsten von uns gelernt haben, sich selbst zu lieben.

Ich möchte dazu aufrufen, unperfekt zu sein in der Selbstliebe. Wir können trotzdem einen anderen Menschen lieben. Oft ist das sogar der Einstieg in die Selbstliebe. Sich in jemand anderen zu verlieben ist immer ein sehr intensives Gefühl und es bedeutet Begeisterung für einen anderen Menschen. Und Begeisterung ist die Voraussetzung dafür, dass wir etwas Neues lernen. Also nutzen wir doch einfach die Liebe zu den anderen um Selbstliebe zu lernen, egal ob wir jetzt unseren Partner, unser Kind oder einen Freund lieben. Keinesfalls sollten wir die Selbstliebe mit Egoismus verwechseln.

Es ist wie schon Robert Musil behauptet

„Wer sich selbst nicht auf die rechte Art liebt, kann auch andere nicht lieben. Denn die rechte Liebe zu sich ist auch das natürliche Gutsein zu anderen. Selbstliebe ist also nicht Ichsucht, sondern Gutsein.“

Für eine gelingende Partnerschaft, vor allem über Jahre, ist es unerlässlich in diesem Sinne gut zueinander zu sein, denn sonst wird es schnell sehr eng in der Beziehung oder in der Kleinfamilie. An die Stelle von Liebe tritt dann eine unglücklich machende Abhängigkeit oder gegenseitiges Ausbeuten und Bekämpfen. Es lohnt sich also ein genauer Blick auf die Selbstliebe,  wenn wir gerade in einer Beziehungskrise stekcen oder schon zu viele schmerzhafte Trennungen erfahren haben.

Woran erkennen wir Selbstliebe?

Wenn wir uns selbst lieben, fühlen wir uns in unserem Körper wohl, wir lernen aus unseren Fehlern ohne uns zu verteufeln, wir können gut allein sein aber ebenso auch gut auf andere Menschen zugehen. Wir geben gerne, freuen uns über die eigenen Erfolge aber auch über die von unseren Mitmenschen. Wer das alles über sich behaupten kann, braucht jetzt nicht weiter zu lesen. Alle anderen natürlich schon 😉

Wer von uns liebt sich wirklich selbst? Wer hat das in der Kindheit gelernt? Wer hat oder hatte Vorbilder, die sich selbst lieben? Und falls es jemand tatsächlich tut, wie ist es ihm gelungen?

Ich persönlich kenne niemanden, der oder die ohne weiteres von sich behaupten würde, dass er sich liebt. Aber ich kenne viele, die sehr häufig nicht besonders freundlich oder liebevoll zu sich selbst sind.

Meist kommt das Fehlen der Selbstliebe schon aus der Kindheit und wir haben uns angewöhnt, sehr streng mit uns selbst zu sein. Ehrlich gesagt, hören wir uns selbst nicht zu, sind extrem kritisch bei dem kleinsten Fehler, wir fühlen uns schuldig, schämen uns für unseren Körper oder glauben, wir hätten keine Aufmerksamkeit verdient – und Liebe schon gar nicht. Mit dieser Haltung nimmt die allgemeine Unzufriedenheit zu und in der Partnerschaft lassen wir uns nicht mehr auf liebevolle Begegnungen ein.

Wie können wir Selbstliebe lernen?

Das ist natürlich jetzt die große Frage. Die Coaching und Beraterszene ist voll von klugen Tipps zum Erlangen der Selbstliebe:

  • Sich (am besten nackt) vor den Spiegel stellen und zu sich selbst sagen: „Ich liebe dich“
  • Ein Erfolgstagebuch führen, in das wir jeden Abend unsere täglichen Erfolge eintragen
  • Den inneren Kritiker abstellen und aufhören uns selbst zu kritisieren
  • Sich selbst täglich ein Lächeln schenken
  • uvm.

Es hagelt Ratschläge aber wer hält sich daran? Und gelingt es allein dadurch wirklich tiefe Veränderungen zu erreichen?

Ich denke es braucht ein bisschen mehr. Der Neurobiologe Gerald Hüther sagt in einem Vortrag, wir können zeitlebens umdenken und „umfühlen“, wenn es nur einen Grund dafür gibt, der stark genug ist.

Welchen Grund gibt es Selbstliebe zu erlernen?

Um wirklich und ernsthaft etwas am eigenen Verhalten zu ändern, muss der Druck sehr groß sein. Wenn wir der Motivationstyp „Weg von“ sind müssen wir in einer tiefen Krise aus Einsamkeit und Leid stecken, damit wir motiviert sind etwas an unserem Verhalten zu ändern.  Wenn wir der „Hinzu“ motivierte Typ sind, sehnen wir uns nach mehr Liebe und Lebendigkeit in uns, wir fühlen uns angezogen von einer Vorstellung, wie es sein sollte. Wir bleiben so lange motiviert etwas zu ändern, bis wir diesen Zustand erreicht haben.

Wie sieht es bei dir aus? Leidest du unter deiner aktuellen Situation? Sehnst du etwas anderes herbei? Dann mach dich auf den Weg. Für ein echtes Umdenken und „Umfühlen“ brauchen allerdings beide Motivationstypen Begeisterung und Emotionen. Wenn wir nur etwas hören oder lesen, passiert leider noch nichts. 

Selbstliebe braucht vollen Körpereinsatz

Selbstliebe geschieht nicht über Nacht. Es braucht den absoluten Willen, sich selbst kennen zu lernen und zwar mit vollem Körpereinsatz. Unser Körper ist unser Tor zur Welt und auch das einzige Tor zur Liebe, zur SelbstLiebe genauso wie zur Liebe zu unserem Partner oder unsere Partnerin. Ohne ihn sind wir nichts.

  • Wie ändert sich dein Verhalten, wenn du deinen Körper liebst?
  • Wie ändert sich deine Ernährung, wenn du deinen Körper liebst?
  • Wie ändern sich deine Beziehungen und vor allem auch dein Sex, wenn du deinen Körper liebst?

Dieses Video einer jungen Aktivistin in Amerika ist ein Beispiel. Sie strippt in der NewYorker U-Bahn. Sie zeigt, dass sie ihren Körper liebt um gegen die Wahl von Donald Trump und seine sexistischen Aussagen zu protestieren. Sie tut das unter dem Motto Selbstliebe. Ein sehr starker Körpereinsatz, der mit Sicherheit für sie selbst etwas verändert hat.

Keine Angst, ich fordere dich jetzt nicht auf, dich in der U-Bahn auszuziehen, aber du kannst dir überlegen, welche Herausforderung könnte dich deinem Körper näher bringen und dir selbst beweisen, dass du ihn liebst?

Selbstliebe kommt von innen

Ja, das sind alles Worte, sie erreichen uns an der Oberfläche. Wir lesen sie, nicken und gehen zum Alltag über. Genau deshalb liebe ich Innenreisen, Meditationen und Fantasiereisen, wie immer du sie nennen willst. Vielleicht sind sie nicht für jeden geeignet, aber wer sich darauf einlassen kann, kommt sich selbst sofort sehr viel näher, tiefe Emotionen begleiten diese inneren Begegnungen. Es geht um einen tiefen Blick nach innen. Gerade habe ich selbst die Heilreisen von Christian Rieken getestet. Sie sind wirklich gut geeignet, das Thema Selbstliebe zu vertiefen und damit auch sehr nah an die  Beziehungen heran zu kommen, die wir uns wünschen. 

Selbstliebe kommt aus dem System

Und natürlich spielt auch unser Familiensystem eine Rolle. In unserer Kindheit erlernen wir die Selbstliebe, die üblich ist in unserem System. Oftmals ist es uns nicht möglich, es uns besser gehen zu lassen und wirklich lieben zu lernen, weil wir in ein Familiensystem eingebunden sind, in dem es ganz anders zuging. Vielfach haben der Krieg, Gewalt und finanzielle Not ihre Wunden hinterlassen. Selbstliebe war kein Thema, es ging um das Überleben . Ein schlechtes Gewissen macht sich schnell breit, wenn wir jetzt damit beginnen uns selbst zu lieben. Aber genau das ist es, was uns weiter hilft. Es ist gut, dass wir heute immer mehr darüber lernen und auch danach handeln können.

Lasst uns einfach damit anfangen. Für uns selbst aber auch für die anderen, denn jemand der sich selbst liebt, handelt liebevoller und trifft liebevollere Entscheidungen.

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