Arbeit und Beziehung

Der Vorwurf ist alt! „Dann heirat doch dein Büro“ sang schon Katja Ebstein 1980 in dem Schlager mit dem gleichnamigen Titel. Aber auch heute kommen Paare zu mir, denen es nur schwer gelingt Arbeit und Beziehung zu vereinen. Es bleibt viel zu wenig Zeit füreinander. Sie sind erschöpft und ausgebrannt. Neben den beruflichen Verpflichtungen haben sie häufig auch Kinder und wünschen sich noch Zeit für Hobbys und Freunde. 

Ayla* und Klaus* (*die Namen sind selbstverständlich geändert) kommen zu mir, weil sie sich ständig darüber streiten, dass Klaus immer wieder Überstunden macht, private Termine vergisst und zu Hause meistens erschöpft und müde vor dem Computer sitzt. Im Büro ist er der Troubleshooter, hilfsbereit, kompetent und hat für alle ein OhrDoch sobald er zu Hause ist, ist davon nicht mehr viel zu spüren. 

„Wenn sein Handy klingelt, weiß ich schon, dass es irgendein Kollege ist, sonst ruft ihn eigentlich niemand mehr an“, sagt Ayla. Sie geht zwar auch arbeiten aber Überstunden kommen schon wegen der Kinder nicht in Frage. Sie fühlt sich allein gelassen und überfordert. 

„Wir haben hohe Fixkosten und ich möchte schließlich, dass wir uns den Standard weiterhin leisten können. Der Druck im Büro ist enorm, da möchte ich mir abends nicht noch ewig diese Vorwürfe anhören“, sagt Klaus. Auch er fühlt sich überfordert und nicht verstanden. 

Ihre Gespräche drehen sich im Kreis. Er wünscht sich mehr Anerkennung für das, was er leistet und sie sich mehr Unterstützung im familiären Bereich. Die Arbeit beginnt.

Zuständigkeiten und Verantwortung

„Was gibt es alles zu tun, das euch beide angeht“, frage ich. Gemeinsam erstellen sie eine Liste, welche Aufgaben zu erledigen sind. Vom Einkaufen über Kindergeburtstagsplanung bis hin zum Betreuen der Geldanlagen und Versicherungen wird alles aufgelistet. Auch eine ungefähre zeitliche Angabe wird den jeweiligen Aufgaben zugeordnet.

Beide können sich dann in einem ersten Schritt die Aufgaben auswählen, die sie sehr gerne übernehmen und auch sagen, was sie ganz und gar nicht gerne machen. Am Ende bleiben ein paar wenige Aufgaben übrig, die getan werden müssen, aber die beide nicht gern erledigen. Sie verhandeln wie auf dem Flohmarkt, immer auf der Suche nach einer gemeinsamen Lösung. Es gelingt.

Arbeit und BeziehungNatürlich läuft das alles nicht harmonisch und reibungslos ab. Es gibt Unstimmigkeiten über die Zuständigkeit und Verantwortung für bestimmte Themen. Klaus kann sich erst richtig einlassen, nachdem auch der finanzielle Aspekt einbezogen wird. Wer bringt wieviel Geld in die Beziehung ein und welchen Wert sehen beide darin. Darüber können sie sich sogar erstaunlich schnell einigen.

Am Ende gelingt es den beiden, sehr viel mehr Klarheit darüber zu gewinnen, was sie alles jeden Tag erledigen! Sie sind sogar stolz aufeinander. Ein guter Erfolg. Trotzdem bleibt vor allem bei Klaus eine gewisse Unzufriedenheit. Was dahinter steckt, wird schnell deutlich.

Bedürfnisse erfüllen

Weder Ayla noch Klaus nahmen bisher wahr, was der andere leistet. Sie sind nicht dabei, wenn Lösungen im Büro gefunden werden, Meetings geleitet oder auch einfach nur die Wäsche gewaschen und der Einkauf erledigt wird. Gerade bei der klassischen Rollenverteilung ist das eine Gefahr. Klaus kommt erschöpft von der Arbeit nach Hause und wünscht sich Zärtlichkeit und körperlichen Kontakt. Ayla ist ebenfalls erschöpft von der Arbeit aber sie hat schon fast zu viel körperlichen Kontakt durch die Kinder. Sie sind noch sehr klein,  kuscheln gerne und wollen getragen werden. Ayla möchte jetzt nicht noch jemanden körperlich spüren. 

Jetzt kommt es darauf an, dass sie sich gegenseitig in den unterschiedlichen Bedürfnissen sehen und akzeptieren. Es geht auf keinen Fall darum, jetzt schnell noch die Bedürfnisse des anderen zu befriedigen, damit wieder Ruhe ist. Es geht darum, sich zunächst der eigenen Bedürfnisse bewusst zu werden. Aber auch der Tatsache, dass der andere nicht dafür da ist, die eigenen Bedürfnisse zu befriedigen. Es ist schön, wenn er oder sie das gerne tut, aber es braucht auch die Möglichkeit, nein zu sagen.

Für Ayla und Klaus beginnt mit dem „Nein“ die Herausforderung. Sie entdeckt, wie schwer es ihr fällt überhaupt eine Grenze zu ziehen und ganz offen „nein“ zu sagen. Stattdessen versteckt sie sich hinter Genörgel und Vorwürfen. Das ist ein ebenso gutes Versteck wie das von Klaus hinter dem Computer.  Er wünscht sich Ruhe vor dem Genörgel aber auch Zeit zu zweit und vor allem sehr viel mehr Sex. Aber er weiß nicht, wie er dieses Bedürfnis so ansprechen soll, dass sie ebenfalls Lust hat. Also zieht er sich hinter den Computer zurück.

Beide müssen lernen, die eigenen Bedürfnisse zu erkennen und sich um sie zu kümmern. Sie haben sich lange gar nicht erlaubt, eigene Bedürfnisse zu haben. Trotzdem waren die Bedürfnisse da und je nach Temperament entschied sich Ayla für den Angriff in Form von Vorwürfen und Klaus für den Rückzug hinter den Computer. Die Bedürfnisse blieben. 

Eine Aufstellung mit Figuren, die immer Bestandteil einer Zusammenarbeit mit mir ist, zeigte das ganze Drama noch deutlicher. Bei dieser Arbeit werden kleine Holzfiguren auf einem Feld nach dem inneren Gefühl aufgestellt. Ich nenne sie gerne „bildgebendes Verfahren“, denn plötzlich wird deutlich, was lange im Verborgenen gewirkt hat. Wie bei einer Röntgenaufnahme wird sichtbar, was eigentlich los ist.

Bei Ayla und Klaus zeigt sich, wie sehr Klaus aus der Beziehung zu den Kindern ausgeschlossen war. Ayla hatte beide Kinder sehr nah bei sich stehen und er stand mit seiner Arbeit ziemlich allein in der anderen Ecke des Feldes. Dieses Bild brachte den ersten Impuls zu einer echten Veränderung. Plötzlich war beiden klar, dass es so nicht weitergehen soll. 

Klaus wollte aus der Ecke raus und traute sich seine Einsamkeit zuzugeben und Ayla wurde klar, wie schwer sie ihm den Kontakt zu den Kindern machte. Die zuvor angefertigte Liste wurde noch einmal unter die Lupe genommen. Sie entschieden, wo sie viel mehr als Team arbeiten wollen und welche Bereiche sie für den anderen öffnen möchten. 

Sexualität

Aber vor allem gingen sie ihre Sexualität ganz neu an. Sie ließen sich gegenseitig mehr Zeit und Raum für die eigenen Bedürfnisse. Ein fester Termin wurde für das Thema Sexualität eingeräumt. Zeit hatten sie genug, denn sie hörte auf die Zeit mit Nörgeln zu verbringen und er ließ den Computer aus. Nicht immer kam es bei diesem Termin zum Sex, aber es ging auf jeden Fall um das Thema körperliche Bedürfnisse und Nähe. Mit der Zeit hatten sie auch immer häufiger Lust, sich gegenseitig diese Bedürfnisse zu erfüllen. Der Termin wurde für beide lebenswichtig, denn dort lernten sie wieder Nähe und Austausch zu leben. Natürlich wirkte sich das auch auf den Alltag aus.

Wenn es auch in eurer Beziehung gerade so ist, dass ihr vor lauter Anforderungen keine Zeit mehr füreinander findet, meldet euch für ein kostenloses Vorgespräch. Wir finden dann gemeinsam heraus, was der beste nächste Schritt für euch ist. Ihr seid herzlich Willkommen.

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