Trennung – Beginn der Nachkriegszeit

Trennung

Trennung und was jetzt?

Der Krieg ist aus! Eine Entscheidung ist gefallen und es ist klar, dass ihr euch trennen werdet. Ihr seid mitten in einer Katastrophe mit traumatisierendem Potential!

Es sieht so aus als gäbe es Gewinner und Verlierer. Tatsächlich verlieren beide ihr aktuelles Leben und die gemeinsame Zukunft. Der Unterschied liegt lediglich in dem Gefühl. Derjenige, der geht fühlt sich oft, als hätte er die Kontrolle über das was passiert, während sich der Verlassene hilflos und ohnmächtig erlebt.

Die Trennung ist meist das Ergebnis von zähen Kämpfen, in denen alle Beteiligten zum Teil schwere Verletzungen davon getragen haben. Nicht immer war es ein fairer, offener Kampf, vieles wurde in Hinterzimmern und von Kriegstreibern verursacht. Jetzt ist der Kampf aus und alle stehen vor einem Schlachtfeld.

Wie ist es möglich, diese Zeit zu überstehen und eine Brücke in die Zukunft zu schlagen?

Trennung

  1. Versorgung der eigenen Verletzungen

Hierbei kann es sich erstmal nur um eine Notfallversorgung handeln, denn die Heilung braucht Zeit. Es gilt, alles, was sich lebensbedrohlich anfühlt, sofort zu versorgen! Holt euch Hilfe, wenn ihr es alleine nicht schafft. Natürlich handelt es sich hier um innere Verletzungen, die zum Teil wirklich schwerwiegend sind und euch daran hindern, weiter zu machen. Ihr habt die zwingende Verantwortung, euch darum zu kümmern und zwar völlig egal, WER oder WAS Schuld daran ist. Die Schuldfrage führt nicht zur Heilung, sondern dazu, dass die Verletzung weiter wild vor sich hin wuchert, während ihr euch um die falschen Dinge kümmert.

Also, erstmal Notversorgung, was ist es was ihr gar nicht aushaltet? Was muss raus und gesagt oder getan werden? Schreit es raus oder schreibt es auf! Alles, ohne etwas zurück zu halten. Schaut dabei unbedingt auf euch selbst, die anderen sind später dran. Jetzt ist die Zeit, die eigenen Gedanken ernst und wichtig zu nehmen. Erst dann kümmert euch um die anderen.

  1. Kinder in Sicherheit bringen

Diese Kraft müsst ihr aufbringen, egal wie es um euch selbst steht, denn sie zahlen sowieso den höchsten Preis. Als erstes, holt sie runter vom Schlachtfeld! Bringt sie in eine sichere Umgebung. Hier ist gar nicht so sehr die wirkliche Umgebung gemeint, meistens ist das die alte und vertraute Umgebung. Es geht vielmehr um die innere Umgebung. Macht euch klar, dass sie die größten Verletzungen erlitten haben, weil sie die schwächsten sind. Sie sind komplett unbewaffnet auf dem Schlachtfeld gelandet un kennen sich nicht aus. Aber es kann gelingen, sie vor weiteren Verletzungen zu beschützen. Sie brauchen jetzt verantwortungsvolle und liebevolle Zuwendung. Und sie brauchen erwachsene Eltern, die zu ihren Gefühlen stehen können und diese auch aushalten. Kindern ist es jetzt strengstens verboten, sich auf irgendeine Seite zu schlagen. Sie müssen unbedingt Zugang zu beiden Elternteilen behalten. Einzige Ausnahme, wenn ein Elternteil psychisch krank, drogensüchtig oder gewalttätig ist.

Kinder sind keine Trophäen, die wir auf dem Schlachtfeld ergattert haben. Unsere gemeinsamen Kinder bleiben unsere gemeinsame Verantwortung und es gilt, sie vor jeder Form der Kriegsbeteiligung zu schützen. Das ist unsere absolute Pflicht als liebende Eltern.

  1. Aufräumarbeiten

Jetzt könnt ihr euch dem Trümmerfeld zuwenden und euch anschauen, was alles zerstört worden ist. Zunächst sieht es so aus, als sei einfach ALLES kaputt. Aber ein genauer Blick lohnt sich. Es gibt bestimmt das eine oder andere, das ihr bewahren möchtet, das wertvoll ist. Und es gibt etwas, das euch für immer bleibt, die gemeinsame Zeit! Sie ist jetzt Vergangenheit und bleibt als solche in jedem allein zurück. Damit lebt ihr weiter und damit könnt ihr etwas machen. Entscheidet euch dafür, dass Gute zu suchen, denn das Schlimme und Schreckliche ist sowieso offensichtlich, das braucht ihr gar nicht erst zu suchen. Mutet euch selbst zu, dass da auch etwas Gutes gewesen ist, denn das seid ihr euch und euren Kindern schuldig.

Natürlich braucht das Zeit und es liest sich viel zu einfach. Trotzdem ist es eine innere Entscheidung, wollt ihr das Gute suchen oder weiter mit dem offensichtlich Schlimmen hantieren?

Und selbst, wenn ihr schon auf dem Weg in eine neue Beziehung seid, nehmt euch die Zeit, das Schlachtfeld auf zu räumen. Lasst nichts dort liegen, was ihr noch braucht und nehmt nichts mit, was dem anderen gehört. Denn das ist wesentlich für euer eigenes Glück. Wer will schon mit jemandem zusammen sein, der die eigene Vergangenheit ignoriert, verachtet oder gar hasst?

  1. Friedensverhandlungen und Ressourcenteilung

So, jetzt habt ihr die schlimmste Phase hinter euch. Jetzt geht es darum, Frieden zu schließen und die Ressourcen zu verteilen. Das geht wirklich erst nachdem die schlimmsten Verletzungen Beachtung gefunden haben und das Gute und Wertvolle wieder gefunden wurde.

Natürlich ist das nicht die Regel und es erfordert Mut und Kraft und den Willen zum Glück, diesen Weg zu gehen. Alle Projektionen, die wir auf den Ex-Partner richten, müssen wir zu uns zurück holen, auch wenn das kein einfaches Unterfangen ist. Es erfordert Zeit und sehr, sehr viel Liebe. Liebe zu uns selbst und zum Leben, das sowieso weiter geht.

Zu euren Ressourcen, die jetzt verteilt werden, gehört natürlich und unbedingt das Geld. Normalerweise wird jetzt ein Anwalt eingeschaltet, der viel von diesem Geld bekommt. Sperrt euch lieber drei Tage zusammen irgendwo ein und verhandelt so lange, bis die Friedenspfeife raucht. Wie gesagt, es ist nicht einfach und der oder die andere ist natürlich immer der oder die BÖSE!!! Und selbst wenn nur einer von euch es schafft in sich wirklich Frieden herzustellen, lohnt es sich schon. Später für die Scheidung braucht ihr selbstverständlich rechtliche Unterstützung, aber es wird günstiger und ihr verschwendet eure Ressourcen nicht. Es ist einfach essentiell, dass beide nach einer Scheidung finanziell überlebensfähig bleiben!

Eine Schlammschlacht mit Anwälten kostet viel Geld. Es gibt bestimmt anderes wofür ihr das Geld besser nutzen könnt.

  1. Zustimmung und Neustart

Mir ist klar, dass ich hier von einer „Idealtrennung“ ausgehe, falls es so etwas gibt und mir ist auch klar, dass jede Trennung, extrem individuell verläuft.

Und dennoch weiß ich, dass eine Art Wegweiser, wie es nach einer Trennung wieder gut werden kann, hilft, den eigenen Weg über das Schlachtfeld zu finden.

Manchmal gehen die Verletzungen aber auch so tief, dass es notwendig wird noch einmal genau zu gucken, was da eigentlich los war. Und dann ist es klug, sich externe Hilfe zu holen. Gerne bin ich dabei für euch da.

Das Ziel ist, dass ihr irgendwann ja sagen könnt zu eurer Geschichte, so wie sie gewesen ist, ohne etwas zu verteufeln oder zu beschönigen. Dann gelingt ein guter Neustart leicht und freudvoll.

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