Rücksicht gefährdet die Beziehung

Ruecksicht

Keine Angst, es geht nicht darum rücksichtslos nur die eigenen Interessen zu verfolgen und es geht auch nicht um Egoismus, denn wir brauchen einander und wir sind in unserem tiefsten Inneren soziale Wesen. Um wirklich zu verstehen, wie es einer Beziehung schadet, wenn einer auf den anderen zu viel Rücksicht nimmt, werfen wir zunächst einen Blick auf konstruktive und nicht-konstruktive Beziehungen. Um eine wirklich destruktive Beziehung zu führen, braucht es immer einen, der zu viel Rücksicht nimmt und einen, der keine Verantwortung für die eigenen Gefühle übernimmt.

In der Zeitschrift „Systemischer“ finde ich eine wunderbare Beschreibung von konstruktiven und nicht-konstruktiven Beziehungen. Er zeigt uns, dass es im Prinzip ganz einfach zu unterscheiden ist, ob unsere Beziehung im Moment gerade konstruktiv ist oder eher destruktiv.

Konstruktive oder destruktive Beziehung

Eine konstruktive Beziehung erkennen wir daran, dass sich der eine Partner über positive Ereignisse und Erlebnisse des anderen freut und er empfindet dem entsprechend negative Ereignisse, die den Partner betreffen, auch als negativ. So einfach ist das und viele werden sagen, das ist doch selbstverständlich. Leider ist es das nicht.

Dieses selbstverständliche Gefühl zum Partner ist bei einer nicht-konstruktiven Beziehung ganz und gar anders. In einer destruktiven Beziehung fühlen wir uns sogar besser, wenn dem Partner etwas Negatives widerfährt, meisten heimlich und manchmal sogar ganz offen freuen wir uns darüber. Im Gegensatz dazu lässt uns ein für den Partner positives Ereignis kalt oder wir ärgern uns darüber. Oft liegt diesem Verhalten ein früheres Ereignis zu Grund, manchmal liegt es an fehlender Empathie.

Empathie

Eine konstruktive Beziehung setzt immer die Fähigkeit zur Empathie voraus. Eigentlich ist uns Empathie angeboren, denn schon Säuglinge machen über Spiegelneurone die Erfahrung, das sie mit dem anderen verbunden sind. Jede Mutter weiß das genau, wenn sie sich z.B. vor etwas erschrickt, fängt das Baby an zu weinen. Es fühlt in seinem Körper die Reaktion der Mutter. Das ist bereits Empathie. Wir alle sind mit dieser Fähigkeit auf die Welt gekommen.

Diese direkte und körperliche Empathie begleitet uns ein Leben lang, deshalb weinen wir, wenn ein Film traurig ist oder unser Körper produziert Speichel, wenn wir jemanden in eine Zitrone beißen sehen.

Hinzu kommt dann im Laufe des Lebens die erlernte Empathie, die aus dem Wissen stammt, dass wir eben nicht gleich sind, sondern zwei getrennte Wesen, die durchaus unterschiedlich fühlen können. Wir brauchen also die Erfahrung, dass wir uns abgrenzen können und trotzdem in Verbindung bleiben. Es geht dabei auch um das Wissen, dass wir gut für uns sorgen können und es auch dürfen, ohne dem anderen zu schaden. Es wäre fatal, sich selbst aus Rücksicht auf den anderen zu vernachlässigen. 

Es geht also um ein stetes Ausgleichen von Abgrenzung und Verbindung, so entsteht eine konstruktive Beziehung, in der ich mich für den anderen freuen kann und mit ihm mitfühle, wenn ihm etwas Schlechtes passiert.

In einer nicht-konstruktiven Beziehung ist das leider anders. Plötzlich schadet mir meine eigene Fähigkeit zur Empathie. Denn ich versetze mich in den anderen und aus Rücksicht auf ihn nehme ich eigenen Schaden in Kauf. Meist ist es so, dass einer der beiden nicht mehr gut für sich sorgt. Dahinter steht die gute Absicht, die Beziehung zu verbessern. Außerdem versucht dieser Partner die negative Auswirkung auf den anderen zu vermindern, die es hat, wenn er sich um sich selbst kümmert oder seinen eigenen Interessen nachgeht. Wenn also einer der beiden auf seine eigenen völlig legitimen Bedürfnisse verzichtet, um den anderen zu beruhigen, geht das eine Zeitlang gut, aber innerlich schadet es beiden und der Beziehung. Außerdem lässt die beruhigende Wirkung, die diese falsche Rücksicht auf den Partner hat mit der Zeit nach.

Ein Paar kann in eine nicht-konstruktive Beziehung hineingleiten, auch ohne vorbelastet oder traumatisiert zu sein. Sie entstehen aus Liebe oder einer guten Absicht. Dann beginnt eben der eine, nicht auf die eigenen Bedürfnisse zu achten um den Partner zu schützen, zu schonen oder zu beruhigen. In einer Notfallsituation ist das selbstverständlich, spielt sich dieses Verhalten jedoch über einen längeren Zeitraum ein, kommt es zu einer Überanpassung. Das kostet auf Dauer sehr viel Kraft und schadet beiden Partnern und auch der Beziehung.

Auch die anderen Beziehungen leiden unter der Rücksicht

Nicht nur die Partnerschaft, nein auch Freundschaften und die Beziehungen zu anderen Familienmitgliedern und Bekannten leiden darunter. Der überangepasste Partner verändert sich zu stark, vernachlässigt sich selbst und das führt zum Rückzug der guten Freunde. Der Partner, auf den ständig Rücksicht genommen wird, hat die Verantwortung für seine Bedürfnisse an den überangepassten Partner abgegeben, so dass auch er nicht frei ist.

Das Ende der falschen Rücksicht

Die gute Nachricht ist, dass beide diese Dynamik durchbrechen können. Allerdings dauert es eine Weile und es bedeutet ein ganzes Stück Arbeit. Für den überangepassten Partner ist es wichtig, damit zu beginnen, sich nicht mehr zuerst und vorrangig oder sogar ausschließlich um den anderen zu kümmern. Stattdessen geht es darum, sein eigenes Wohlbefinden in die Beziehungsdynamik miteinzubeziehen. Dazu gehört auch sich selbst nicht abzuwerten oder zu überfordern.

Es geht nicht nur den überangepassten Partner etwas an, wie er oder sie mit sich selbst umgehst, sondern es hat eine direkte Wirkung darauf, was in die Beziehung zum anderen eingebracht werden kann und wie beide gemeinsam die Beziehung gestalten.

Der andere Partner hat jetzt die Möglichkeit, in der Beziehung zu wachsen und zu lernen wieder Verantwortung für das eigene Wohlbefinden zu übernehmen. Es geht vor allem auch darum, zu lernen sich selbst zu beruhigen. Das ist sogar eine der eine der 4 wichtigen Voraussetzungen für echte Intimität!

Manchmal braucht es dafür externe Hilfe oder holt euch für den Anfang meinen Emailkurs inklusive persönlicher Begleitung „Rette deine Beziehung„.

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2 Comments

  • Heidrun

    Reply Reply 10. März 2017

    Herzlichen Dank, Manuela, für diesen Beitrag.
    Wie schnell sich so etwas unbemerkt einschleicht, und wie sehr es mit der Zeit die Lust aufeinander vergällt, kenne ich aus eigener Erfahrung.Ich finde Deinen Artikel ein bißchen zu leise – man sollte dieses Thema lauter, die negativen Konsequenzen noch deutlicher der Welt mitteilen.

    • Manuela

      Reply Reply 10. März 2017

      Liebe Heidrun,
      vielen Dank für deinen Kommentar. Ja, du hast recht, die negativen Konsequenzen sind extrem. Vielleicht schreibe ich demnächst noch deutlicher über das Thema.

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