Konflikte zwischen Eltern und erwachsenen Kindern: Der Weg zur Lösung

Jeder kennt diese Konflikte zwischen Eltern und erwachsenen Kindern.

Scheinbar völlig banale Aussagen führen zu großer Aufregung und sogar tagelangem Streit. Manche unserer Reaktionen können tatsächlich nur unsere Eltern aus uns heraus holen!

Leider sind es selten die Reaktionen, auf die wir besonders stolz sind. In jedem Fall sind es die Reaktionen mit besonders starken Emotionen. Wir wissen oft selbst, dass diese überzogen sind, aber wir wissen nicht wie wir da rauskommen.

Wir haben von unseren Eltern das Lieben gelernt…

…und wir haben sie einmal extrem und existentiell geliebt, egal was wir heute fühlen, wenn wir an sie denken. Jedes Kind liebt seine Eltern. Das ist ein Naturgesetz.

Oft lieben wir sie natürlich auch noch wenn wir erwachsen sind. Der wichtige Unterschied zu heute ist jedoch, dass wir nicht mehr existentiell von ihnen abhängig sind. Wir brauchen sie nicht mehr.

Diese Tatsache ist uns jedoch nicht richtig klar und so bleiben wir stecken zwischen der gefühlten Abhängigkeit und der tatsächlichen Unabhängigkeit.

Die Konflikte zwischen Eltern und erwachsenen Kinder sind so zahlreich wie es Menschen gibt, sie lassen sich aber ganz gut in drei verschiedene „Schwierigkeitsgrade“ einteilen, die alle etwas mit dem eigenen Partnerschaftsstatuts zu tun:

Konflikte zwischen Eltern und erwachsenen Kindern – als Singles

Wenn wir als Single Konflikte mit den Eltern haben, ist es der Klassiker, ihnen einfach aus dem Weg zu gehen. Dann genießen wir erstmal das Leben ohne ihre ständige Einmischung. Manchmal führt uns der Wunsch, endlich aus dem Dunstkreis der Eltern zu kommen, sogar bis nach China.

Aber natürlich werden wir dadurch die Konflikte nicht los, sondern wir haben sie gerade dann, wenn wir unsere Eltern besonders stark ablehnen, immer im Gepäck.

Häufig ist es dann so, dass wir uns zwar im Ausland ganz wohl fühlen aber sobald wir nach Hause kommen, mutieren wir wieder zu einem Kind. Meistens zu einem Kind in der Trotzphase. Dann beginnt der Streit nach den ersten drei Sätzen oder wir fühlen wieder unsere Ohnmacht ihnen gegenüber und sind seltsam müde und erschöpft während des Besuchs.

Konfliktverschiebungen

Darüber hinaus verschieben wir den Konflikt mit den Eltern auf andere Autoritäten.

Weil wir uns nicht wirklich von den Gefühlen der Abhängigkeit und Ohnmacht gelöst haben, bekämpfen wir diese Gefühle durch Konflikte mit anderen Menschen, die uns etwas zu sagen haben.

Dann streiten wir eben mit dem Chef oder der Chefin oder auch mit irgendwelchen Behörden, quasi stellvertretend. Gelöst ist hier nichts.

Konflikte zwischen den Eltern und erwachsenen Kindern –  wenn wir in einer Partnerschaft sind

Wenn wir selbst in einer Partnerschaft sind, wird die Sache ein bisschen schwieriger. Endlich haben wir wieder jemanden, den wir lieben können. Und nach der Verliebtheit des Anfangs tauchen die erlernten Verhaltensmuster aus der Kindheit wieder auf.

Wenn wir ständig mit unseren Eltern im Streit sind, dehnen wir diesen Streit häufig auch auf unsere Paarbeziehung aus. Wir fühlen uns mit unserem Partner sehr schnell wieder wie ein Kind, hilflos, trotzig und abhängig.

Hinzu kommt noch, dass unsere Eltern mit unserem Partner ebenfalls eine Beziehung eingehen.

Angst vor den Schwiegereltern?

Oft wird schon bei der ersten Begegnung klar, ob es hier Probleme geben wird. Manchmal entsteht dann das „Schwiegermutterphänomen“, das uns schon viele, meist schlechte, Witze beschert hat.

Der Schwiegersohn fühlt sich bevormundet und ist genervt, sobald die Schwiegermutter auf der Bildfläche erscheint. Die Frau wirbt bei ihm um Verständnis für ihre Mutter, statt sich auf seine Seite zu stellen.

Natürlich können die Personen hier beliebig ausgetauscht werden, die Schwiegermutter kann auch der Schwiegervater sein und die Tochter auch der Sohn. Deutlich wird aber das zugrunde liegende Problem, das „alte“ System hat ein Problem hat mit dem „neuen“.

Die Ablösung nicht länger aufschieben

Auf der persönlichen Ebene ist die Ursache die fehlende Ablösung von den Eltern. Wenn also unser Partner ein Problem mit unseren Eltern hat, haben wir uns noch nicht aus unserem Herkunftssystem und unserem Status als „Kind“ gelöst.

Eine Beziehung kann aber nur gelingen, wenn sie eindeutig „Vorrang“ hat vor dem alten System. Es geht also darum, endlich erwachsen zu werden. Sonst mischen sich unsere Eltern ständig in unser Leben ein und die ewige Streiterei ist vorprogrammiert.

Das wird im Laufe der Zeit meistens schlimmer und unsere Beziehung gerät ernsthaft in Gefahr.

Konflikte zwischen den Eltern und erwachsenen Kindern – wenn wir selbst Eltern sind

Den höchsten Konflitklevel zwischen erwachsenen Kindern und ihren Eltern erreichen wir sobald wir selbst Eltern sind. Sofort werden wir noch einmal ganz neu mit unseren Gefühlen aus der Kindheit und den Erfahrungen mit den eigenen Eltern konfrontiert.

Wir beginnen zwar meist, viel mehr Verständnis für unsere Eltern zu entwicklen, aber wir leiden auch darunter, dass wir uns dabei „erwischen“, wie wir uns genauso verhalten wie unsere Eltern. Dabei wollten wir es doch auf jeden Fall besser machen. Das kann durchaus einen mittelschweren Schock verursachen.

Entsetzt stellen wir fest, dass wir noch tiefer eingebunden sind in diese Familie als wir es jemals für möglich gehalten hätten. Wir fühlen uns normalerweise viel selbstständiger und unabhängiger als wir es tatsächlich sind.

Wie überwinden wir diese Konflikte mit den Eltern als erwachsene Kinder?

Auf der persönlichen Ebene ist es eigentlich ganz einfach. Der erste Schritt ist, dass wir uns bei unseren Eltern bedanken für das, was sie uns gegeben haben. Wenn wir nichts finden wofür wir dankbar sind, bleibt die Tatsache, dass wir ihnen das Leben verdanken.

Erst dann können wir uns mit Respekt von der Abhängigkeit zu ihnen lösen. Es geht nicht darum, ihnen irgendetwas zu verzeihen oder sie für etwas verantwortlich zu machen.

Heute sind wir erwachsen und groß genug, uns um uns selbst zu kümmern. Wichtig dabei ist, dass wir tatsächlich in unser eigenes Leben gehen und alle Abhängigkeiten loslassen, auch die finanziellen.

Aus allen Abhängigkeiten lösen

Erst dann wissen wir, dass wir überleben können und wir spüren vielleicht erstmals unsere eigene Kraft. Wir haben alles von unseren Eltern bekommen was wir brauchen um zu leben und wir haben unsere Kindheit überlebt. Mehr gibt es nicht und mehr brauchen wir auch nicht.

Das Schöne daran ist, dass wir sie weiterhin lieben dürfen, wenn wir das tun. Wir dürfen sie sogar auf Distanz halten, wenn das stimmig für uns ist. Aber wir müssen nichts mehr davon tun! Ab jetzt sind wir in der Lage, einen guten und für uns stimmigen Umgang mit ihnen zu finden.

Die Voraussetzung dafür ist lediglich, dass wir wissen, dass wir verantwortlich sind für unser eigenes Leben und für unsere eigenen Gefühle. Das gilt im Gegenzug natürlich auch für unsere Eltern.

Die Eltern akzeptieren

Wir haben uns unsere Eltern nicht ausgesucht aber mit dem Augenblick unseres Erscheinens sind wir an sie gebunden. Sie sind und bleiben unsere einzig möglichen Eltern.

In unserer heutigen Gesellschaft werden wir im Laufe unseres Lebens eher zufällig erwachsen. Es fehlt das Bewusstsein dafür und nur deshalb können uns die Gefühle aus der Kindheit so überrollen und zu extremen Problemen (nicht nur) mit den eigenen Eltern führen.

Wenn wir jedoch ganz bewusst raus gehen aus dem Gefühl der Ohnmacht und Abhängigkeit, sehen wir meistens zwei ganz normale Menschen, durch die das Leben zu uns geflossen ist.

Eltern = ganz normale Menschen?

Sie sind weder besonders schrecklich noch besonders großartig aber für uns bedeuten sie den Anfang des Lebens und der Liebe. Es macht also Sinn, ihnen einen guten Platz in unserem Gefühlssystem zu geben.

Ihnen sogar zu danken für das Leben. Dann spüren wir auch die ursprüngliche Liebe in uns wieder, die wir weiter geben können an unsere Partner und Kinder.

Über die persönliche Ebene hinaus kann es allerdings sein, dass wir einen Auftrag aus dem Familiensystem übernommen haben. Das klingt vielleicht seltsam, zeigt sich aber in meiner täglichen Arbeit mit Familienaufstellungen immer wieder.

Blinde Flecken entdecken

Dann geht es bei Konflikten zwischen Eltern und erwachsenen Kindern gar nicht um unsere Eltern, sondern um ganz andere Familienmitglieder, deren Schicksal wir blind nachahmen. Eine Aufstellung bringt hier Klarheit und vor allem die Lösung.

Wer jetzt den Verdacht hat, das könnte bei ihm oder ihr der Fall sein, kann sich für meinen ONLINE Aufstellungskongress anmelden, denn für euch habe ich diesen Kongress organisiert.

Dort lernst du über 20 der besten Experten im Interview kennen. Sie alle habe ich zum Thema Aufstellungen und die Paarbeziehung befragt. Deine Teilnahme ist zu 100 % kostenlos. Lass dich überraschen, was alles zu Konflikten im Familiensystem und in der Partnerschaft führen kann!

Du bist herzlich willkommen!

Deine Manuela Komorek

PS: Wenn du dich tiefergehend mit den verschiedenen Familien- und Einzelsystemen beschäftigen willst, die oft hinter Konflikten zwischen erwachsenen Kindern und deren Eltern bestehen, dann habe ich eine uneingeschränkte Lektüreempfehlung für dich: Howard Halpern: Abschied von den Eltern*.

Artikelbild: aletia2011

35 Comments

  • herbert

    22. Oktober 2016

    ich mit 62 Jahren und meine Partnerin 56 Jahren haben uns nach fast vier Jahren getrennt. der Hauptgrund ist meine Partnerin hat einen 30 jährigen Sohn der zwar in seiner eigenen Wohnung lebt und seit über 2 Jahren harz 4 bezieht. er macht auch keine Anzeichen sich um eine Arbeit zu bemühen da ja die Mutter jeden Monat mindesten 250 und mehr Euro dazu gibt. sie hat auch nicht das grosse Gehalt um in zu finanzieren. die ganze Kosten der Miete und was alles dazu gehört bezahle ich (keine Beteiligung). der Einkauf zum leben bestreite ich zu 2/3 und 1/3 sie. ihr ist das alles egal und beschuldig mich noch das ich kein Verständnis Habe. was kann ich noch tun?

    • Nils Terborg

      22. Oktober 2016

      Hi Herbert,

      bezieht sich die Auflistung deiner Kosten auf eure Partnerschaft oder auf ihren Sohn? In jedem Fall ist das natürlich deine Entscheidung, falls du also klare Verhältnisse schaffen willst, könntest du das tun.

      Wenn die Beziehung allerdings beendet ist, wäre das nicht sowieso hinfällig? Schreib mir sonst gerne nochmal eine Mail!

      LG, Nils

  • frühling

    24. Dezember 2016

    Hallo, wir als eltern machen uns gröse sorgen um unsere 3 Erwachsenen Jungs. 34j+31j+28j. Jrgendwie kriegen die es nicht gebacken.Der 34j war 2 jahre in der jva und kurz vorher erfuhr er das der papawird. Nachdem das vorbei war zog er auch zu ihr vorher hatte sie bei uns 4 monate in der Schwangerschaft gewohnt. Es gab nur Streit. Auch jetzt haben sie sehr viel Streit trotz Kind. Arbeit hat er keine. Tja durch viele glückliche Umstände stellte sich raus er ist nicht der Vater.Also wieder zurück zu den Eltern. Auch haben wir plötzlich nach 3 j keinen Enkel mehr.Wo aber auch schon der 31j bei uns mal wieder wohnt. Er hat aber arbeit. Der andere Sohn 34j ist verheiratet und hat auch nie arbeit und immer Stress. Zum Leidweisen meines Mannes und mit tun alle 3 auch kiffen. Und alle 3 müssen auch MPU machen. Keiner kriegt was auf die Reihe. Das war damals zu unsere Zeit nicht so. Sind aber alle voll lieb und hilfsbereit. Nur geht das so nicht weiter wenn wir sagen sucht euch bitte eine Wohnung ist kein geld für kaution u.s.w da. Aber wir wollen doch auch noch bisschen unsere Zeit genießen 60j +58j

  • Manuela Komorek

    27. Dezember 2016

    Hallo,

    Es ist wirklich hart, wenn gleich alle drei Kinder sich noch nicht raus in die Welt wagen und dort bestehen.

    Mein erster Eindruck ist, dass es Zeit wird aufzuhören, sich Sorgen zu machen. Bert Hellinger, der Begründer der Aufstellungsarbeit, hat in einem Seminar gesagt „Wer sich Sorgen um jemanden macht, möchte dass dieser verschwindet“. Mich persönlich hat der Satz damals sehr getroffen und ich fand ihn extrem hart. Da er mich aber so berührt hat, ist er mir immer wieder eingefallen, wenn ich anfing mir Sorgen um jemand anderen zu machen. Und ich denke, der Satz stimmt! Zwar möchte ich nicht, dass die Person wirklich verschwinden soll, sondern ich möchte, dass die Person anders sein soll als sie ist. Das kann sie aber natürlich nicht. Hören Sie also auf, sich Sorgen zu machen und akzeptieren Sie stattdessen Ihre „Kinder“ so wie sie sind.

    Ein weiterer Gedanke kommt ursprünglich von Byron Katie. Sie hat damals zu ihrer erwachsenen Tochter gesagt, als diese ihr Vorwürfe gemacht hat, weil sie keine gute Mutter war (und das war sie bestimmt nicht, denn sie war depressiv und psychotisch als ihre Tochter klein war):
    „Okay, ich bin verantwortlich für das Problem – aber du bist verantwortlich für die Lösung“. Das bedeutet, dass Sie Ihren Kindern endlich die Verantwortung für ihre Probleme übergeben müssen! Sie selbst können nichts weiter tun. Immer, wenn Sie für Ihre Kindern die Verantwortung übernehmen, machen Sie es nur noch schlimmer.

    Eine praktische Lösung wäre z.B., dass Sie sich einfach in eine kleinere Wohnung ziehen, in der kein Platz für drei weitere erwachsene Menschen ist. Und dann könnten Sie beide beginnen, Ihre eigenen Wünsche in den Mittelpunkt zu stellen und Ihr Leben zu genießen. Noch haben Sie Zeit dafür.

    Es ist kein leichter Weg, aber es ist der einzig mögliche Weg, um die „Jungs“ in ihr eigenes Leben zu entlassen. Viel Kraft und Erfolg wünsche ich Ihnen dabei. Herzliche Grüße Manuela Komorek

  • Sophia

    23. Februar 2017

    Liebe Frau Komorek,
    besonders hat mir bei Ihrer beruflichen Tätigkeit gefallen,dass Sie zusammenführen wollen was zusammen gehört.
    Seit 11 Jahren hat unsere Tochter ( Jahrgang 1971) den Kontakt zu uns abgebrochen ohne plausibile Erklärung. Zu dem Zeitpunkt lebte sie mit ihren 2 kleinen Kindern aus 1.Ehe ( wir waren gegen diese Verbindung) und ihrem Lebenspartner ( seit 5 Jahren) zusammen. Ihr Sohn war 3 Jahre alt und das 2.Kind unterwegs, als sie Hals über Kopf ihren Mann verlassen hat. Sie hatte uns zuvor um Unterstützung gebeten, sie war total mittellos, d.h. wir sind dann von A-Z für ihren Lebensunterhalt aufgekommen.
    Trotzdem wir damals gegen diese Eheschliessung waren, haben wir noch vor der Geburt unseres Enkel mit ihr Frieden geschlossen und in den Sommermonaten kamen sie und ihr Mann regelmässig auf Besuch. Soweit schien alles in Ordnung und sie schrieb ständig lange Briefe an uns über ihr neues Leben und wie glücklich und zufrieden sie jetzt ist. Jeder Brief endete mit liebevollen Worten an uns und wie sehr sie uns vermisst.
    Nach der Trennung lebte sie mit den Kindern für zwei einhalb Jahre in unserem Haus, wir waren in den Wintermonaten regelmässig verreist und sie hatte zum 1.Mal einen eigenen Haushalt , denn mit ihrem Exmann lebten sie bei den Schwiegereltern.
    Dann erschien der Lebensgefährte und breitete sich in unserem Haus während unserer Abwesenheit aus, er war von nun an derjenige der den Ton angab, meine Tochter machte alles was er verlangte, auch völlig absurde Sachen. Es kam wie es kommen musste.Mein Mann hat dem Freund unserer Tochter klipp und klar gesagt, dass er seine Dauer-Wochendend-Besuche nicht wünscht ( Donnerstag Abend bis Montag Morgen) und dies bitte berücksichtigt. Auch wir haben in unseren 4 Wänden ein Recht auf Privatsphäre !
    Später sind sie dann gemeinsam in ein Haus gezogen und unser Verhältnis zur Tochter und den Enkeln war völlig normal, nur der Freund war abweisend, doch unsere Tochter meinte, das müssen die Männer unter sich ausmachen.
    Aber dann kam seine “ 1. Bestrafung“. In den Ferien ( hier 2.5 Monate) durfen wir die Enkel nur noch 1 mal die Woche sehen, von 10:00-17:00, den Kanton und das Land nicht zusammen verlassen, denn “ ER “ traut uns nicht! Sie waren zu dem Zeitpunkt noch nicht verheiratet aber unserer Tochter war ihm irgentwie unterwürfig. Vorher war sie froh, mit uns und den Kindern zu Shoppen, Ausflüge zu machen oder wir blieben über Mittag bei ihr, jetzt war es verboten.
    Dann kam die „2.Bestrafung“ angeblich wegen der Behauptung, dass wir den Lebensgefährten nicht als den Vater unserer Enkel akzeptieren. Das habe ich aber erst über meine Schwester erfahren, denn plötzlich hat unsere Tochter den Kontakt zu uns abgebrochen, ohne dass wir zuvor gestritten hatten.
    Nach unserer Rückkehr aus unserem Winterdomiziel habe ich dauernd versucht mit ihr zu reden, aber sie hat mich hinter verschlossener Hautüre fortgejagt wie einen reudigen Hund. Derart böse und hässliche Worte aus dem Munde meiner Tochter zu hören, hat mich tief verletzt und erschüttert.
    Inzwischen hat sie den Freund geheiratet und haben 2 gemeinsame Kinder. Wir kennen diese Enkel nicht und die anderen werden uns auch vorenthalten. Ich versuchte immer wieder, sie aus der Ferne auf ihrem Schulweg zu sehen, um wenigsten zu wissen, wie sie jetzt aussehen.Ueber einen Anwalt wurden wir aufgefordert, derartige Belästigungen zu unterlassen, wir haben auch über unseren Anwalt versucht ,die Vormundschaftsbehörde einzuschalten, in der Hoffnung, dass wir als Grosseltern die Enkel sehen dürfen,aber vergebens.
    Dann hat sie sogar einen richterlichen Verweiss angezettelt, mit der Begründung , wir belästigen sie und die Kinder, sie verlangte 500 Meter Distanz aber der Richter hat sofort begriffen, dass es hier um Hörigkeit geht und wir haben uns dann mit ihm auf 200Meter geeinigt, und es wurde vermerkt, dass uns nicht vorzuwerfen ist.
    Trotzdem habe ich dann viel später den Kontakt mit meiner Tochter via Email aufgenommen. Da meinem Mann mehrere Herzoperationen bevorstanden, bin ich zu ihr, damit sie weiss, was ansteht. Von da an haben wir einen Minnikontakt.
    Jetzt ist sie im Gemeinderat und bei dieser Gelegenheit konnten wir sie auf einer Veranstaltung persönlich treffen. Sie hat aber gleich ihren Mann per Handy von unserer Anwesenheit informiert, daraufhin ist niemand von der Familie gekommen .
    Wir haben ganz vorsichtig gefragt, ob es denn iherseits möglich wäre, die Vergangenheit zu begraben und ein einigermassen normales Miteinder zu ermöglichen, auch fragten wir, was sie uns denn vorzuwerfen hatte und was wir tun könnten, damit diese Situation beendet wird.
    Zu unserem Erstaunen sagte sie, dass sie auch darunter leidet, sie uns garnichts vorzuwerfen hat, im Gegenteil, aber das Problem ist nun ihr Mann, er fühlt sich in seinem Stolz verletzt durch uns !!!
    Und desshalb wurde uns der Kontakt zu den Enkeln ( ihre Kinder) verboten. Er hat sich hinter kleinen Kindern versteckt und sie missbraucht, denn er kann uns nicht ausstehen, es ist sein gutes Recht, aber der Grund dafür sitzt sehr viel tiefer, nicht gekränkter Stolz ist der wahre Grund für eine derart perfide Haltung, es war ein Bauauftrag den wir einem anderen Architekten übergeben haben , auf den wohl er spekuliert hatte.
    Aber er war inzwischen Enologe und hier garnicht als Architekt tätig und hatte auch kein Studio.

    Nun hatten wir Hoffnung: sie wollte mit ihrem Mann reden und selber besuchte sie uns einen Nachmittag. Danach war dann wieder Stille. In einer letzten Email betonte sie, dass so viel passiert ist und man es nicht einfach mal unter den Teppich kehrt. Anscheinend ist die Vergangenheit und das sicherlich schlechte Gewissen unserer Tochter auch ein Faktor. Sie hat Angst, dass sie mit Dingen konfrontiert werden könnte, die sie lieber nicht hören will. Aber wer will schon dauern von den alten Geschichten reden! Alles was zählt ist eine bessere und harmonische Zukunft für alle.
    Sie gibt immer vor eine selbstbewusse und unabhängige eigenständige Person zu sein, der von Niemanden Vorschriften gemacht werden und mit wem sie Kontakt pflegen kann.
    Warum dann wieder diesen Rückzieher ?
    Nun behauptet sie wieder, es sei ihre freie Entscheidung , es gäbe eben zu viel Konfliktpotenzal das noch zwischen uns steht, aber sagt nie worum es dabei geht.
    Ich habe viel über dieses Thema gelesen, aber immer werden die Eltern für ihr Fehlverhalten, bezw. Unverständnis gegenüber den Bedürfnissen ihrer Kinder verantwortlich gemacht. Scheidungskinder, Misshandlung, Ueberforderung,verlassen werden, zu wenig Liebe und Zuneigung, keine Geborgenheit , unterlassene Hilfe, andauernder Streit, sich zu viel einmischen, Unterdrückung des Kindes, sogar Missbrauch werden andauernd als Bewegungsgrund für einen Kontaktabbruch des erwachsenen Kindes aufgezählt.

    Nie wird in irgenteiner Weise über das mögliche Fehlverhalten dieser erwachsenen Kinder gegenüber ihren Eltern ein Wort verloren. Sie sind die Unschuldslämmer schlechthin. Das sie ihre Eltern sogar hintergehen, sie belügen, ihre Versprechungen und Abmachungen nicht einhalten, wird nie erwähnt. Sie “ dürfen“ ihre ( oft falschen) Entscheidungen treffen, auch wenn sie nicht im Stande sind für die Folgen gerade zu stehen, weder finanziel noch weil sie es geschafft haben unabhängig zu werden, obwohl sie die Möglichkeit hatten ein Studium zu absolvieren damit sie danach die so sehr ersehnte Selbstständigkeit erlangen.
    Machen wir Eltern ihnen mal den Vorwurf, dass Studium nicht ernst zu nehmen, bekommt man gleich eine negative Reaktion und man verbittet sich diese Art der Einmischung, obwohl wir für alles bezahlen . Nie ein Wort oder Geste des Dankes, sondern es wurde noch alles schlecht gemacht und der Lebensstiel der Eltern sogar kritisiert. Das war das Resultat unserer grosszügigen und auch liebevollen Erziehung. Die „neuen Freunde“ , meist keine Studienkollegen, bestimmten von nun an den Tagesablauf, und zum Schluss stand unsere Tochter mit leeren Händen da, aber mit einem arbeitslosen , 11 Jahre älteren Freund , den sie dann heiratete.
    Zuvor hatten wir mit allen Mitteln versucht ihr klar zu machen, dass sie mit ihrer Zukunft spielt, sind mit ihr auf Reisen gegangen um einen Abstand zu diesem Mann herzustellen und herauszufinden, was sie dazu bewegt, eine Verbindung einzugehen, ohne irgenteine finanzielle Grundlage. Sie schien das wohl begreifen und wir dachten, sie trennt sich von ihrem Freund, aber dann verschwand sie mit ihm und heirateten.

    Nun frage ich mich, wo haben wir so unverzeihliche Fehler begangen, die unsere Tochter an ihrer Selbstverwirklichung gehindert haben, dass sie so viel später und nach der Trennung von diesem Mann, und nachdem sie mit den Kindern bei uns gelebt hat, aus heiterem Himmel den Kontakt zu uns abbricht. Wir haben sie ohne ihr Vorwürfe zu machen mit offenen Armen aufgenommen, und sie hat zu dem Zeitpunkt sehr liebe Briefe und Mails an uns geschrieben, wenn wir abwesend von zu Hause waren.
    Was geht in unserer Tochter vor? Sie wollte immer selbststständig sein, hat aber nicht die Anstengungen gemacht, es in die Tat umzusetzen. Das gibt sie inzwischen selber zu und ist nun stolz auf ihre Kinder ( 4), Ehemann und politisches Engagement. Jetzt fühlt sie sich verwirklicht , aber für uns gibt es keinen Platz , obwohl sie überall von ihren “ tollen Eltern“ erzählt , auch komisch!
    Trotzdem haben wir sie immer lieb.

  • Manuela Komorek

    24. Februar 2017

    Liebe Sophia,
    das klingt nach einer langen und verzwickten Geschichte. Was im einzelnen ihre Tochter umtreibt, kann niemand wissen, außer sie selbst. Auch sie beide als ihre Eltern können nicht in das Kind hinein schauen. Der einzige gute Weg ist, sie wirklich loszulassen und für sich selbst zu sorgen und die großen Kinder groß sein lassen. Unsere Kinder gehören uns nicht, sie sind vielmehr „Gäste die nach dem Weg fragen“ (ein Buchtitel von Jirina Prekop – sehr zu empfehlen) Es gibt eine praktische Übung, die eigentlich für Männer gedacht ist, deren Ex-Partnerinnen ihnen den Zugang zu den eigenen Kinder vorenthalten:
    Schreiben sie so oft sie an ihre Tochter und vor allem an ihre Enkelkinder denken einen Brief an sie, in dem sie ihre Liebe zu ihnen beschreiben. Sie können dort auch über ihr Leben schreiben und darüber, was sie gerne mit ihnen unternehmen würden und wie es ihnen selbst gerade geht. Einen ganz normalen, liebevollen Brief eben. Keinesfalls sollten sie in diesen Briefen schlecht über den Partner ihrer Tochter sprechen. Diese Briefe können sie abschicken, in der Hoffnung, dass ihre Tochter sie selbst liest oder sogar den Kindern vorgelesen oder überreicht werden. Sie können sie auch sammeln und dann später, wenn die Kinder erwachsen sind an sie übergeben. Durch die Briefe bleiben sie innerlich im Kontakt mit den Kindern und mit Ihnen selbst.
    Wichtig ist, dass sie nicht erwarten, dass sich durch die Briefe im außen etwas ändert. Garantiert wird aber die Liebe, die sie zu ihrer Tochter und zu ihren Enkelkindern spüren, einen Ausdruck finden und sie wird lebendig. Und vielleicht lohnt sich auch ein Blick auf Ihr Familiensystem. Gab es früher schon ähnliche Situationen in ihrer Familie oder erinnert sie das aktuelle Erleben an etwas anderes, einen anderen früheren Verlust? Wenn das so ist lohnt sich ein Blick hinter die Kulissen ihres Familiensystems. Ansonsten genießen sie das Leben so gut es geht und schreiben sie ihre Liebe auf.

  • Ilka

    7. März 2017

    Sehr geehrte Frau Komorek,
    der Entschluss, hier zu schreiben ist ein Blitzentschluss gewesen. Ich versuche jeden Strohhalm zu greifen um mich zu informieren und die für meine Familie und alle Mitglieder unerträgliche Situation zu verbessern.
    Ich habe 3 erwachsene Töchter, alle 3 verheiratet und alle 3 schon selbst Mütter. Meine eigene Mutter wird 93 Jahre und von mir seit ca 10 Jahren gepflegt. Sie ist geistig noch sehr fit, körperlich jedoch leider nicht. Ich selbst lebe seit 17 Jahren von meinem Mann getrennt habe eine kleine Firma und stehe eigentlich mit beiden Beinen im Leben. In der Familie halten wir alle zusammen….schon immer, auch mit meinem getrennt lebenden Mann. Gibt es Probleme, dann gibt’s auch mal ne Auseinandersetzung aber auf keinen Fall lassen wir unsere 4 kleinsten darunter leiden und kriegen das auch immer wieder hin. Das heißt, eigentlich sind wir ne ganz normale Familie.
    Nur….mit meiner jüngsten Tochter, 29 Jahre alt, habe ich ein Problem. Als Nesthäckchen war sie etwas mehr verwöhnt und dann auch gerade noch in der Pubertät, als die Trennung von meinem Mann kam. Ich weiss, das nicht alle Sachen damals optimal gelaufen sind. Vor allem möchte ich hier nichts über den Trennungsgrund sagen, der aber gar nichts mit den Kindern zu tun hatte. Im Haus lebten damals schon die Grosseltern mit, es war also auch immer ein Ansprechpartner da. Leider hat sich unsere kleine damals sehr verschlossen, war auf komischen Seiten im Internet unterwegs und ich habs nicht rechtzeitig bemerkt, weil ich mit meinen Problemen zu beschäftigt war. Ein etwas älterer erster Freund verunsicherte sie damals wahrscheinlich zusätzlich. Als sie 15 war unternahm sie einen Suizidversuch . Dieser Versuch hatte zum Glück zwar für sie keine ernsthaften gesundheitlichen Folgen aber die psychischen waren für sie und für uns riesig , die Unterstützung durch geschultes Personal gleich 0. Eine Heilpraktikerin, die wir privat dann gefunden haben und die wenigstens versuchte, mit meiner Tochter zu arbeiten, bezeichnete das auch als äußerst schwierig. Meine Tochter ließ sich nicht richtig darauf ein.
    Ich ging die ersten Wochen nicht zur Arbeit, machte im Internet einen Schnellkurs um meine Tochter betreuen zu können( was eigentlich als Mutter gar nicht geht) und fuhr mit ihr im Winter! auf einen alten ponnyhof, weil sie da gern hin wollte. Nach ca 4 Wochen hatte sich ihr Zustand so gut entwickelt, das sie wieder zur Schule gehen konnte und mit der klasse sogar eine Amerikareise unternahm. Sie bestand ihr Abitur gut, durfte Tänzerin werden (war ihr Wunsch)
    Zwischendurch fielen mir nur ab und an mal Messiähnliche Züge an ihr auf . Sie konnte sich von nichts trennen.Als sie heiratete und das Kind bekam besserte sich das langsam. Allerdings trat etwas anderes auf. Alles, wirklich alles was das Kind betraf machte ich falsch in ihren Augen. Obwohl ich zu allen meinen Enkeln ein sehr inniges Verhältnis habe, zu diesem Kind durfte ich das nicht haben. Heute ist die kleine im kindergarten, möchte gerne wie die anderen 3 zu mir, aber darf nicht. Ich darf ihr auch absolut nichts geben…..gar nichts, nicht mal zum Geburtstag. Ihre Mutter sagt, was sie sinnvoll findet, Freude spielt keine Rolle. Es gibt bei jedem Treffen mit der kleinen etwas, was ich nicht richtig mache, auch wenn ich gar nichts mache. Es gibt Ärger und dann weint meine Tochter zu hause mit dem Kind. Dieses Verhalten betrifft nur ihre Tochter . Bei anderen Sachen und ohne die kleine gibts kaum Differenzen.Aber die kleine leidet so sehr.Das berührt natürlich auch die anderen. Ich weiss mir keinen Rat mehr.
    Ich glaube, dass meine Tochter ein dramatisches Ereignis von damals belastet, dass sie mir gegenüber eventuell ein Schuldgefühl hat. Das werfe ich mir jetzt schon jahrelang vor, ich konnte es aber verstandsmässig damals nicht beeinflussen noch verhindern.
    Ich weiss, meiner Tochter gefällt die Situation auch nicht, allerdings will sie von damals nichts wissen, d.h. sie verdrängt es. Sie ist immer in Eile und hat keine Zeit, eigentlich immer auf der Flucht. Sie kann sich nach wie vor nicht gut organisieren, obwohl sie sich sehr bemüht.
    Jetzt fängt ihre Ehe an zu leiden, ich weiss nicht ob dadurch, aber sie fühlt sich nicht wohl. Ausserdem hat sie Taubheitsgefühle, von denen ich glaube, dass sie somatisch sind.Was kann ich tun. Mit ihr reden ist nicht möglich und ich glaube auch, dass ich da nicht die richtige Person bin.Was wäre sinnvoll? Ich möchte ihr helfen!
    Vielen Dank für Ihren Rat!

  • Manuela Komorek

    8. März 2017

    Liebe Ilka,
    vielen Dank für Ihre Blitzentscheidung, hier einen Kommentar zu schreiben. Gerne versuche ich eine sinnvolle Antwort zu finden.
    Mein erster Gedanke ist, dass es auch hier um das Loslassen Ihrer Tochter geht. Und damit ist gemeint, ihr das eigene Schicksal zuzumuten und ihr zuzutrauen, dass sie für sich die richtigen Lösungen findet. Auch wenn das gerade nach einem Suizidversuch wirklich sehr schwer ist. Vielleicht brauchen Sie für sich jemanden, der gemeinsam mit Ihnen noch einmal auf dieses Ereignis schaut? So etwas ist ein Schock, der manchmal auch nach Jahren noch Auswirkungen auf die eigenen Gefühle haben kann. Auch das kann Auswirkungen auf Ihre Tochter haben, wenn Sie selbst etwas für sich tun. Familie ist wie ein Mobilé, wir hängen alle irgendwie zusammen und wenn einer sich bewegt, müssen sich die anderen mit bewegen, aber wir können nicht bewusst und willentlich die Anderen bewegen, sondern nur uns selbst.

    Zu dem Umgang mit der Enkeltochter würde ich sagen, dass Sie noch einmal versuchen, mit Ihrer Tochter ins Gespräch zu kommen. Bleiben Sie dabei möglichst bei der aktuellen Situationen und lassen Sie Spekulationen weg. Schildern Sie ihr, wie sehr Sie selbst den Kontakt zum Enkelkind vermissen und dass es Sie schmerzt, dass Ihre Tochter immer etwas zu kritisieren hat. Erzählen Sie ihr nur, was Sie fühlen und nicht, was Ihre Tochter anders machen sollte. Vielleicht finden Sie dann gemeinsam eine gute Lösung, so dass Ihre Enkeltochter, genauso wie die anderen, bei der Oma sein darf.

  • B.

    17. April 2017

    Liebe Frau Komorek,
    ich befinde mich aktuell in einer schwierigen Situation und bin zufällig in der Internet-Recherche auf Ihrer Seite gelandet. Ich bin 43 Jahre alt, weiblich, verheiratet, habe zwei kleine Kinder und stamme aus einer bäuerlichen Familie mit 4 Kindern. Ich selbst bin die Älteste. Das Verhältnis zu meiner Mutter war immer schwierig, geprägt von Streitereien, Schweigen was sich heute in einer neudeutsch genannten On-/Off-Beziehung äußert. Nun ist meine Mutter (72 Jahre) erkrankt. Sie ist eine sehr autonome Person und leidet unter der Krankheit, ist aggressiv und beleidigend. Die alten Muster in unserer Beziehung brechen nach jahrelangem Waffenstillstand und zeitweilig sogar Harmonie, wieder auf. Es gab Beleidigungen, Rückzug meinerseits, Schweigen. Ich bin gekränkt, irritiert, leider wieder verstärkt an Infekten, zweifle vermehrt und habe mich auch von meinem Umfeld stärker entfernt. Meine Vermutung ist, dass ein Ablösungsprozess nie wirklich stattfinden konnte. Sie zeigt aufgrund schwierigen Kindheitsverhältnissen z. T. narzisstische Züge, auch depressive Stimmungen bis zur Euphorie, allerdings immer gepaart mit exremer Rechthaberei.

    Konkret: Was kann ich persönlich für mich tun, um den Ablösungsprozess in Gang zu bringen? Würden Sie mir eine systemische Aufstellung hierzu empfehlen?

    Beste Grüße und Danke!
    B.

  • Manuela Komorek

    17. April 2017

    Liebe B.,
    oh ja, die Erstgeborenen haben wirklich ein spezielles Los, denn sie sind es, die ihre Eltern ja erst zu solchen machen. Entsprechend schwierig gestaltet sich in der Folge die Beziehung zu den Eltern und manchmal auch zu den Geschwistern.
    Eine systemische Aufstellung hilft auf jeden Fall dabei, mehr Klarheit über die aktuelle Beziehung zu Ihrer Mutter zu gewinnen. Gerade dann, wenn sich noch viele Verletzungen aus der Kindheit zwischen den heutigen Kontakt mit ihr schieben.
    Es scheint an der Zeit zu sein, alte Verhaltensmuster zu erkennen und sich von ihnen zu lösen. Am besten bevor es Ihrer Mutter schlechter geht und sie eventuell sogar pflegebedürftig wird, denn dann kommen viele Entscheidungen auf Sie zu.
    Auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Systemaufstellungen finden Sie kompetente KollegInnen im deutschsprachigen Raum http://www.familienaufstellung.org/listen/aufstellersuche.php
    Gerne können Sie auch mit mir einen Termin für ein kostenloses Vorgespräch vereinbaren. Ich arbeite allerdings fast ausschließlich online. http://systemischepaartherapie.com/skypeberatung-arbeite-mit-mir/

  • Andrea

    18. April 2017

    Guten Tag liebe Frau Komorek, bin durch Zufall auf die Seite gekommen weil ich für mich Hilfe brauche. Ich bin verheiratet, habe 2 Söhne, 21 und 19. für mich zwei Wunschkinder. Aber wir haben nur Stress mit den beiden.
    Meinen großen haben wir vor 4 Wochen vor die Tür gesetzt. Er kifft schon seit langem und hat nun angefangen damit zu handeln. Das ging für mich zu weit und er musste gehen. Lebt nun bei einem Freund und kommt einmal die Woche vorbei um Wäsche zu holen. Er hat min. 5 Ausbildungsstellen verloren weil er sich immer krank schreiben lässt.
    Der jüngere kifft wohl auch, aber eher weniger weil er derzeit auch einen Job als Auslieferer hat und seinen Führerschein braucht. Er hat bereits 2 Ausbildungen abgebrochen. Er wohnt hier noch zu hause, hat eine Freundin und ist frech und respektlos. Beschimpft uns aber eher mich,,weil ich die Jenige bin, die verbote u.s.w ausspricht. Mein Mann hält sich gerne aus allem raus. Und ich steh immer als die dumme da. Ich bin nur noch am weinen und denke nur noch, warum habe ich überhaupt Kinder. Der jüngere kommt und geht, meist kommt er in der Nacht und geht vormittags wenn wir arbeiten. Wir sehen ihn vielleicht 20 min. In der Woche. Er soll Bewerbungen schreiben, macht er aber nicht. Ich bin solangsam am Ende mit meinen Nerven. Wo bekommt man Hilfe?
    Ich denke, meinem großen Sohn täte eine Therapie auch ganz gut, da er durch sein kiffen, sein Wesen doch stark verändert hat. Er kommt mit keinem Menschen klar außer mit seinen Kumpels. Aber alle anderen sind bescheuert und mehr…..

    • Rommie

      30. August 2017

      Hallo Andrea Reichelt,

      ich habe Ihre Zeilen gelesen und fühlte mich Ihnen sehr nah. Ich bin 55 Jahre und habe eine 18-jährige Tochter, die im September 19 Jahre wird. Bei uns zu Hause haben wir, denke ich jedenfalls, ein ähnliches Problem wie Sie. Unsere Tochter ist auch ein Wunschkind. Sie hat sich seit Anfang ihrer Pubertät sehr verändert. Sie geht schon in die Luft, wenn sie nur etwas falsch verstanden hat, weil sie nicht richtig zu hört. Ihre Ausdrücke sind frech und haltlos. Wenn ich versuche ihr die Situation zu erklären, habe ich verloren. Sie schreit mich dann sehr laut an und schlägt die Türen im Haus und schmeißt Dinge in ihrem Zimmer umher. Es ist schwer dann selbst die Ruhe zu bewahren, aber ich bin dann trotz alledem sehr ruhig. Sie wollte studieren nach ihrem Abitur, hat aber jetzt keine Lust mehr. Will lieber arbeiten gehen, aber nicht so viel arbeiten. Nur ein bisschen, so 450 Euro Job. Mehr hat sie keine Lust. Sie kifft auch und alle sind bescheuert, außer ihre Freunde. Diese Freunde sind leider die Falschen, wegen Alkohol und Kiffen… Das tut weh. Ich bin dadurch auch sehr viel am Weinen und kann Nachts nicht schlafen. Ich gehe zur Zeit in eine Gesprächstherapie, das tut mir gut. Aber leider wird es dadurch mit meiner Tochter nicht wirklich besser. Sie sagt uns immer wieder, wir sollen uns aus ihrem Leben heraus halten. Das haben wir beherzigt. Wir sind nicht mehr für alles da. Sie muss ihr Leben selbst in die Hand nehmen, so wie sie sich das wünscht. Aber leider versucht sie sich die Rosinen heraus zu picken (bei der Sache lasst mich in Ruhe, aber dabei müsst ihr für mich da sein usw.). Ihr Geschrei und ihre stark ablehnende Haltung uns gegenüber ist oft sehr schlimm. Das ist nur ein Bruchteil von dem, was bei uns passiert…

      Lieben Gruß … Rommie

  • Manuela Komorek

    25. April 2017

    Liebe Andrea,

    vielen Dank für Ihre Frage. Es ist wirklich nicht so leicht, hier eine gute Antwort zu geben, denn grundsätzlich würde ich sagen, es ist an der Zeit, Ihre Söhne in die Welt hinaus zu schicken und zwar ohne die Wäsche noch zu waschen oder ihnen Geld zu geben.
    Das ist manchmal nicht so leicht, aber für die „Kinder“ und auch für Sie selbst ist es leichter, wenn sie wirklich erwachsen werden und verantwortlich sind für ihre Entscheidungen. Das gelingt allerdings nur, wenn Sie ihnen ihren Weg zutrauen, sollten Sie zu sehr daran zweifeln, dass sie es alleine schaffen, halten Sie die beiden durch Ihre Zweifel zurück.
    Immer wieder erzähle ich die Geschichte von den Initiationsriten der Indianer. Gerade Söhne wurden dort mit 13 / 14 Jahren allein in den Wald geschickt und sie mussten dort 3 Tage allein überleben. Wenn sie dann zurück kamen, waren sie erwachsene Mitglieder der Gesellschaft. In diesen 3 Tagen trauerte vor allem die Mutter, denn sie wusste, wenn ihre Kinder zurück kamen, waren sie nicht mehr ihre Kinder. Sie bekamen sogar einen anderen Namen. Aber die Gesellschaft hatte ein neues vollwertiges, erwachsenes Mitglied.
    Natürlich rate ich Ihnen jetzt nicht, Ihre Kinder im Wald auszusetzen, aber die innere Haltung, die von einer Mutter verlangt wird, wenn sie ihre Kinder erwachsen werden lässt, wird dadurch so deutlich. Hinzu kam ja für die Indianermütter auch noch, dass sie nicht wussten, OB ihre Kinder überhaupt überleben würden.

    Wenn die Zweifel zu groß und das Vetrauen in die Kinder zu klein ist, holen Sie sich selbst Unterstützung, um in diese Haltung zu kommen. Das ist das Beste was Sie jetzt für Ihre Söhne tun können.

    Herzliche Grüße – Manuela

  • ella

    7. August 2017

    Es ist nicht einfach! Aber niemand hat gesagt, dass es einfach werden würde!

    Kurz über die Situation:
    Ich bin fast 63 Jahre, stehe noch voll im Berufsleben und habe zwei Töchter (fast 40 und fast 43) welche verheiratet sind und ebenfalls je ein Kind (1x Tochter mit 3 Jahren und 1x Sohn mit 8 Jahren) haben.
    Ich bin seit fast 30 Jahren geschieden und habe 2 längere Partnerschaften hinter mir. Seit 10 Jahren habe ich einen Lebensgefährten, der seit ca. 5 Jahren bei mir wohnt. Davor war es eine Wochenendbeziehung. Seit er bei mir wohnt, teilen wir uns die Miete und den Lebensunterhalt. Er hat einige schlimme Erfahrungen hinter sich (Pleite mit Lokal, mittellos durch Lohnpfändung usw) hier habe ich ihn auch finanziell unterstützt, nicht mit tausenden von Euro, aber wenigstens so, dass er in Würde leben konnte. Er hat aber seit Jahren jetzt einen sehr guten Job und verdient ähnlich wie ich. Er ist sehr introvertiert, kann kaum Gefühle zeigen, schweigt tagelang aus nichtigen Gründen und „geht oft nach dem Mond“. Ich kann inzwischen damit umgehen, lasse ihn in der Zeit in Ruhe und mache mein Ding. Meine Töchter und Schwiegersöhne absolut nicht! Sie fühlen sich permanent gekränkt und auf den Schlips getreten.
    Jetzt war meine Tochter auf Besuch mit der kleinen Tochter, wieder das gleiche Spiel, kein Wort zu Ihnen, auch nicht zu der kleinen, die er aber heiß und innig liebt, absolutes Ignorieren. Meiner Tochter ist dann der Kragen geplatzt und hat ihn gefragt, ob sie stören und warum?
    Darauf wurde er aggressiv und hat ihr vorgeworfen, dass das auch seine Wohnung sei und er gefälligst gefragt werden will und sie doch in ein Hotel gehen sollen usw.
    Ich war leider zu dem Zeitpunkt in der Arbeit, habe alles nur durch die beiden sehr widersprüchlichen Berichte erzählt bekommen.
    Jetzt steht der 60 Geburtstag von meinem Lebensgefährten an, zu dem die beiden Töchter mit Familie natürlich eingeladen sind. Beide haben mir jetzt gesagt, sie kommen nicht, und lassen die Enkelkinder auch nicht mehr zu mir, wenn „Er“ im Haus ist. Da sie beide nicht der Ignoranz und Abweisung durch den „Ersatzopa“ aussetzen wollen.
    Ich bin natürlich zwischen den ganzen. Versteh meine Töchter, will meine Enkel nicht verlieren, aber auch nicht meinen Lebensgefährten, noch dazu, da ich weiß, dass er ganz anders kann und ganz anders ist.
    Am liebsten würde ich davon laufen.
    Ich habe beiden Parteien gesagt, sie sollten sich nochmal unterhalten. Lehnen beide ab!
    Was tun?
    Liebe Grüße
    Ella

  • Manuela Komorek

    7. August 2017

    Hallo Ella,

    deine Idee, dass sie miteinander sprechen sollen, finde ich auch gut. Da beide es nicht wollen, scheint es dein Problem zu sein. Spüre genau in dich hinein, wie weit stehst du hinter deinem Partner? Oder besser gesagt an seiner Seite? Hat er einen Grund sich übergangen zu fühlen? Hast du ihn gefragt, ob es ihm recht ist, dass in sein Zuhause Besuch „eindringt“.
    Es sieht so aus, als ob deine klare Haltung fehlt. Rede mit deinem Partner, wie sieht eine schöne Feier für ihn aus? Vielleicht ist er ganz froh, wenn die ganze Bande weg bleibt?
    Du kannst hier nicht schlichten, denn du steckst mitten drin. Du musst eine eigene Meinung haben und diese klar und ohne Vorwurf kommunizieren.
    Viel Erfolg! Ich weiß, es ist nicht leicht, aber auf die harmonische Art hast du es ja lange genug versucht….

  • B.B.

    23. August 2017

    Sehr geehrte Frau Komorek,
    jetzt versuche ich vor lauter Verzweiflung ihnen auch mal mein Problem zu schildern. Ich 35, Christin, bin seit einem guten halben Jahr mit meinem muslimischen Freund zusammen. Er ist noch verheiratet und hat 3 Kinder (18,13,8). Seine Eltern leben wieder in der Türkei. Er versucht gerade seinen Eltern beizubringen das er getrennt bleibt und eine neue Freundin hat (Kinder wissen ebenfalls bescheid-ein aufeinandertreffen mit seinen Eltern gab es noch nicht). Seine Noch-Ehefrau hat ihn vor Jahren betrogen, er hat sie verlassen, ist jedoch zurück gegangen um seine Ehe zu retten und für die Kinder. Es stand für ihn schnell fest-er würde irgendwann wieder gehen-wenn die Kinder nur aus dem gröbsten sind.Seine Eltern sagen jedoch- er solle verzeihen und zurück gehen für die Kinder.
    Er möchte mit mir leben, wir lieben uns, wollen nicht mehr ohne einander sein-er weiß jedoch nicht wie er handeln soll, falls sein Vater ihn vor die Wahl stellt.
    Ich bin verzweifelt und weiß nicht was ich tun soll ( ich kann ja eigentlich auch nichts tun ). Die Religion und die Kinder sind natürlich kein Problem zwischen uns.
    Ich will ihn nicht verlieren, er will uns eigentlich auch nicht aufgeben, aber aus Respekt und Liebe zu seinen Eltern weiß er einfach nicht was er tun soll. Alles an Argumetation,das Wohlergehen seiner Kinder im Falle einer gezwungenen Rückkehr, seine Fürsorge und Liebe zu seinen Kindern,alles macht er für sie -der beste Papa den ich kenne,sein Glück nichts wollen sie verstehen und akzeptieren 🙁
    Vielleicht hätten sie eine Idee die ihn auf einen ganz groben Weg bringt?! Ich weiß einfach nicht weiter…

    Vielen Dank und liebste Grüße

    B.B.

  • Manuela Komorek

    24. August 2017

    Sehr geehrte Frau Babajaga (lustiger Name),

    es ist immer schwierig, eine Beziehung mit einem Menschen einzugehen, der sich in der Verantwortung für Kinder aus einer früheren Beziehung befindet. Sie beide lieben sich, aber ihr Partner gerät durch die Liebe zu Ihnen in einen inneren Konflikt mit seinen eigenen Werten. Er muss für sich eine Lösung finden, am besten ganz frei von den Wünschen der eigenen Eltern. Das ist nicht leicht und Sie können nicht viel tun, sondern nur offen bleiben und hoffen, dass er es schafft seine Liebe zu den Kindern und zu seinen Eltern in Einklang zu bringen mit der Liebe zu ihnen. Es ist wirklich so, wie Sie selbst es gesagt haben, Sie können nichts weiter tun, als hoffen, dass er sich für Sie entscheidet. Und natürlich werden die Kinder immer einen wichtigen Platz in seinem Leben haben. Mit ihnen sollten sie nicht in Konkurrenz gehen.
    Alles Gute

    • B.B.

      24. August 2017

      Vielen Lieben Dank für ihre schnelle Antwort!
      Die Liebe zu seinen Kindern ist zweifelsohne ein ganz großes Thema für ihn -was meiner Einstellung überhaupt nicht widerspricht! Seine Kinder sind und sollten für ihn das wichtigste sein! Da will und werde ich keinesfalls in Konkurrenz treten! Strenggenommen sind seine Kinder überhaupt garnicht und nie ein Problem gewesen! Die sind da ,die liebt er über alles und das ist auch gut so!!!
      Er muss den Spagat zwischen der Liebe zu mir und der Liebe zu seinen Eltern bewältigen-das ist unser Problem! Und ich kann voll und ganz sein Dilemma verstehen-es sind seine Eltern… abet deswegen kann ich doch nicht „gezwungen“ in einer Ehe leben,die ich überhaupt nicht möchte! Er weiß das auch alles,und bestätigt dies auch-mit logik kommen wir da also leider nicht weiter…. er kann sich nicht gegen seine Eltern stellen…

      Leider…

      VIELEN lieben Dank nochmal

      LG B.B.

  • Manuela Komorek

    26. August 2017

    Liebe B. Babajaga,

    in diesem Fall empfehle ich euch eine Aufstellung, denn sie kann helfen dort Klarheit zu finden, wo Logik nicht mehr weiterhilft.
    Wenn er nicht will, kann eine Aufstellung auch dir helfen, du musst nicht darauf warten. Vor allem dann, wenn er sich nicht für dich entscheidet, oder wenn er es tut, aber unter dem Stress, den er dann hat, weil er seine Eltern verletzt leidet.
    So oder so wünsche ich euch alles Gute.

  • S. Me.

    21. September 2017

    Sehr geehrte Frau Komorek,

    was Sie ausführlich am Anfang der Website schreiben beinhaltet genau das Problem, welches ich zur Zeit mit meiner Familie habe.

    Ich war bis zu meinen 25 Lebensjahr immer für meine Eltern und meinen kleinen Bruder (10 Jahre alt ) da und habe sie, wo ich nur konnte unterstützt.

    Nun habe ich jedoch schon seit drei Jahren eine eigene Wohnung und einen Freund, mit welchem es mehr als ernst ist. Wir planen unsere gemeinsame Zukunft mit allem was dazu gehört. Leider möchten meine Elter dies alles nicht so akzeptieren.

    Sie versuchen mit verschiedenen Dingen mir mein Leben schwer zu machen und verlangen immer noch das selbe von mir ab, als ich noch bei Ihnen gewohnt habe und eben noch meine Zeit nach ihnen richten konnte. Durch meine Partnerschaft und meinem eigenen Leben sage ich nun jedoch öfter „nein“, welches bei Ihnen sehr sauer aufstößt. Sie kommen dann immer gleich mit Wortlauten wie “ du bist egoistisch“ oder „es ist dein Pflicht als Schwester und Tochter auf deinen Bruder aufzupassen (nur ein Beispiel) bzw. deine Eltern zu entlasten“. und versuchen mir mit all dem ein schlechtes Gewissen, auf übelster Art und Weise, einzureden.

    Ich weiß das mein Verhalten normal ist aber leider wollen meine Eltern dies nicht sehen. Für Sie bin ich die böse Tochter bei der sie alles falsch in der Erziehung gemacht haben.

    Vor ein Paar Tagen kamen sie sogar mit einem üblen Scherz um die Ecke und versuchen immer wieder mir meinem Leben schwer zu machen. Was auch irgendwie funktioniert, da ich ein Gutmensch bin und der Durck, welchen sie ausüben immer größer wird.

    Ich weiß daher wirklich nicht mehr weiter ohne mit ihnen brechen zu müssen, was eigentlich nicht meine erste Wahl ist, da meine Familie eben noch meine Familie ist. Zudem möchte ich meinen kleinen Bruder nicht im Stich lassen.

    Daher stellt sich für mich die Frage, was ich noch Weiteres ausprobieren/wie ich mich verhalten soll ohne das es so kommt. Ich möchte nur ein normales vernünftiges Leben führen ohne all diesen Stress. Denn mein Freund bekommt es ebenso mit und ist daher auf meine Familie überhaupt nicht gut zu sprechen, was die Sache für mich nicht leichter macht.

    Ich bedanke mich im Voraus für einen eventuellen Rat.

    Mit freundlichen Grüßen

    S. Meliesse

  • Manuela Komorek

    21. September 2017

    Hallo Sonja,
    es gehört zum Prozess des Erwachsenwerdens, sich immer mehr von der Beeinflussung durch die Eltern zu lösen. Es geht nicht darum, sich von der Zugehörigkeit oder der Liebe zu lösen. Es geht darum, die Verantwortung für die eigenen Entscheidungen zu übernehmen und sich endlich nicht mehr danach zu richten, was den Eltern gefällt. Das ist nicht leicht und es ist meistens mit einem schlechten Gewissen verbunden. Das schlechte Gewissen signalisiert eigentlich nur, dass du auf dem Weg in die Eigenverantwortung bist und aus der Rolle des Kindes heraus wächst. Dazu gehört es, auch mal anzuecken. Du bist nicht auf der Welt, um deinen Eltern zu gefallen.
    Aber es lohnt sich den Weg zu gehen, denn am Ende bist du freier und lebendiger

    • S. Meliesse

      17. November 2017

      Guten Morgen Frau Komorek,

      vielen Dank für Ihre Worte. Jedoch ist dieses „sich zu lösen“ nicht so einfach. Vor allem wenn ich immer ein schlechtes Gewissen eingeräumt bekomme und mir gesagt wird das ich meinen kleinen Bruder im Stich lasse. Es sind verletzende Worte mit welchen ich leider nicht so umgehen kann. Jedesmal wenn ich gefragt werde, ob ich aufpassen könnte, sage ich zwar nein, überlege jedoch trotzdem ob ich nicht doch hin solle und und und…. Nur ich weis das wenn ich hingehe mein Freund wieder anfängt Ärger zu machen, da er eh schon der Meinung ist das ich so wie es ist nie mein eigenes Leben führen kann! Und das alles jedes Mal zu wissen und dieses schlechte Gefühl baut Druck auf und ich weis nicht wie ich das abstellen kann!? Es ist ein unschönes Gefühl zumal ich nicht meine Eltern/Bruder sowie mein Freund verlieren will! 🙁

      Lg

      • Manuela Komorek

        4. Dezember 2017

        Liebe Sonja,

        genau diese Ambivalenz ist es, die sowohl deinen Eltern als auch deinem Partner die Möglichkeit einräumt, dich unter Druck zu setzen. Wenn du dir Zeit für dich nimmst und dich wirklich fragst, was du möchtest, haben sie diesen Spielraum nicht mehr.
        Du kannst es niemals allen recht machen und allein der Versuch macht es für alle unerträglich.
        Sage klar und liebevoll nein, stehe dazu und es ist gut – oder sage klar und liebevoll ja. Wenn du nur für die anderen lebst, wirst du unzufrieden und gibst irgendwann den anderen die Schuld daran, außerdem wirst du nicht ernst genommen und ausgenutzt.
        Ich weiß es ist kein leichter Prozess, lass dir Zeit und probiere einfach mal aus, wie es sich anfühlt liebevoll NEIN zu sagen.
        LG-Manuela Komorek

        • S. Meliesse

          10. Dezember 2017

          Danke schön für Ihre ehrliche. Worte. Das Problem ist auch, dass ich nein sage und auch dabei bleibe bzw sage ich was mir passt und was nicht. Trotzdem wird das von meinen Eltern nicht für voll genommen. Leider bin ich immer noch die egoistische Tochter. Ein Aktuelles Beispiel dafür ist, dass sie letztes Jahr einen Gutschein fürs Kino von mir bekommen haben. Diesen wollten sie in zwei Wochen einlösen. Was an sich auch in Ordnung ist, trotzdem habe ich gefragt was für eine Vorstellung sie nehmen wollen, da ich auf meinen Bruder aufpassen sollte (was vollkommen in Ordnung ist). Jedoch weis ich das sie es mehr als lange ausnutzen und ich eben warte und warte… darauf habe ich jedoch keine Lust dh bis in die Nacht zu warten. Schließlich bin ich auch ko von der Woche !Das habe ich jedoch alles sehr lieb und nett gesagt. Allerdings ging es wieder nach hinten los, da sie der Meinung sind das ich es nicht will das sie ins Kino gehen, was Schwachsinn ist! Leider reagieren sie wieder mal mit gnatz und sagten mir nun zu Heilig Abend ab, da sie angeblich auf einmal wegfahren würden. Dabei war vereinbart das mein Freund und ich bei ihnen den Abend verbringen. Aber sie sind der Meinung das man sich nicht zu Weihnachten hinsetzen brauch als wenn alles in Ordnung wäre und ich eben mal wieder ein egoistisches Verhalten an den Tag lege. Sie wissen genau wie viel mir an Weihnachten liegt! Nun haben sie es mal wieder geschafft mir meinen Tag zu verderben da es sehr verletzend ist und ich nicht weis wieso ich solch ein Verhalten verdient habe! 🙁 zum Glück steht mein Freubd hinter mir! Aber ich bin sehr verletzt und weis gerade nicht wie ich damit umgehen soll da mir viel an Heilig Abend mit der Familie liegt!

          • Manuela Komorek

            10. Dezember 2017

            Liebe Sophie,
            es geht also weiter mit dem erwachsen werden 😉 Überlegen Sie sich einmal ganz genau, warum Sie unbedingt mit der Familie Weihnachten verbringen wollen, obwohl Ihre Eltern das im Moment gar nicht wollen?
            Nehmen Sie sich Zeit für sich selbst und finden Sie heraus, was Ihnen so wichtig ist an diesem Fest und wie Sie sich selbst ein schönes Fest mit Ihrem Freund bereiten können. Ihre Eltern sind nicht (mehr) für Ihr Wohlergehen zuständig. Sie sind erwachsen und haben jetzt das große Glück selbst entscheiden zu können, wie Sie Weihnachten feiern und ob Sie sich den Tag verderben lassen oder nicht.
            Wenn Ihre Eltern nicht mit Ihnen feiern wollen, dann haben sie das recht dazu. Nehmen Sie Ihre Eltern ernst mit der Aussage und überlegen Sie nicht, warum sie das sagen und ob das alles stimmt oder sie Ihnen mit der Aussagen eigentlich eins auswischen wollen. Überlegen Sie lieber, was genau Sie an der Zurückweisung verletzt und wie Sie selbst für ein schönes Fest für sich und Ihren Freund sorgen können? Ihr Freund hat doch bestimmt auch eine Familie 😉
            Natürlich ist das nicht leicht, aber irgendwie müssen Sie aus dieser Spirale aussteigen, sonst geht das immer so weiter.
            Alles Liebe und viel Mut wünsche ich Ihnen dabei – Manuela Komorek

  • Stephan

    18. Oktober 2017

    Hallo Manuela,

    ich wollte mich bedanken für den tollen Artikel.

    Der beschreibt natürlich sehr gut die Abhängigkeit und auch die Unabhängigkeit von den Eltern und den Kindern.

    Ich kann von mir aus sagen, das es leider auch mal schwierig ist und wir uns auch mal in der Wolle haben. Meine Eltern haben immer noch die Beschützerrolle in sich verreint und wollen natürlich nur das beste.

    Ich gestalte selber mein Leben und das ist auch gut. Aber du schreibst natürlich richtigerweise auch das Spannungsfeld zwischen Unabhängigkeit und Liebe zu den Eltern, die einem das Leben geschenkt haben.

    Es ist immer schwierig seinen Standpunkt zu vertreten, zu sagen das einem die Vergangenheit egal ist und man im hier und jetzt leben möchte.

    Es kommen manchmal immer diese Vorwürfe, warum man als Kind so stur ist und man sollte doch dies und das machen.

    Das wirft einem in der Persöhnlichkeit auch ein wenig zurück, weil man es den Eltern immer gerecht machen möchte.

    Deshalb finde ich deinen Artikel auch so gut beschrieben.

    Danke noch mal

    LG

    • Manuela Komorek

      4. Dezember 2017

      Lieber Stephan,
      es ist nicht leicht für die Eltern, sich nicht mehr einzumischen. Als Kinder können wir es ihnen leicht machen, indem wir ihnen dankbar sind für das was war und dann unser eigenes Ding machen.
      Sie haben eigentlich nur dann „Zugriff“ auf uns, wenn wir heimlich noch was von ihnen wollen oder ihnen Vorwürfe machen, dass sie etwas falsch gemacht haben und denken, sie schulden uns noch etwas.
      Alles Gute und Danke für deinen Kommentar – Manuela Komorek

  • Maria

    3. November 2017

    Liebe Frau Komorek, Mein alter Sohn ist 21 und seitdem er 15 Jahre alt war, war er ein Outsider in der Schule. Er selbst hat diagnostiziert, dass er an Asperger Syndrom leidet. Trotzdem will er keine Therapie, lehnt jede Hilfe ab, will mit mir gar nicht reden. Er war drei Jahre lang an der Uni, hat sein Studium abgebrochen. Jetzt studiert er an einer Fachhochschule. Er lässt alle andere Arbeiten im Moment, weil ihm zu viel ist, er kann keine Freunde haben, weil er sich große Mühe dafür geben muss. Er leidet allein, oder nur mit seinem Computer und seiner Musik ( ab und zu spricht er mit seinem kleinen Bruder). Er sagt mir ständig, dass sein Leben „Sch…..e“ ist und kann nichts dafür, weil er anders ist. Solange er studiert, kann er nichts anders machen und wir sollen ihn in Ruhe lassen. Gibt es eine Lösung, sodass er sich glücklich fühlt, oder wird er für immer leiden? Kann ich ihm helfen?

    • Manuela Komorek

      4. Dezember 2017

      Liebe Maria,
      das ist sicher schwer zu erleben, wenn das erwachsene Kind unglücklich ist. Natürlich liegt auch hier der Schlüssel darin, dass der Sohn jetzt 21 Jahre alt ist und für sein Glück selbst verantwortlich ist. Helfen können Sie nur, wenn er um Hilfe bittet, alles andere wäre übergriffig.
      Was Sie selbst für sich tun können ist natürlich sich zu fragen, wie sie selbst glücklicher werden. Sind sie glücklich?
      Denken Sie an die Liebe zu ihrem Sohn. Können Sie diese Liebe noch spüren? Wenn ja, dann fühlen Sie einfach jeden Tag einmal diese Liebe zu ih. Tun und sagen sie nicht weiter, es reicht schon die Liebe wieder zu spüren, um das eigene Gefühl zu ihm zu verbessern, dadurch ändert sich die Haltung ihm gegenüber.
      Wenn sie die Liebe nicht mehr spüren, suchen sie danach. Wo ist sie vergraben? Irgendwo gibt es sie ganz bestimmt, vielleicht ist es schon länger her, aber es immer noch die gleiche Liebe. Herzliche Grüße und alles Gute – Manuela Komorek

  • Eine Mutter

    24. November 2017

    So hat jeder ein Päckchen zu tragen. Das Leben verteilt sie. Mal sind sie leicht und mal ist das Päckchen schwer. Es erscheint uns dann so schwer, dass wir meinen es nicht mehr tragen zu können. Aber denke daran in jedem negativen Päckchen ist auch ein positiver Aspekt enthalten. Manchmal dauert es etwas länger bis wir ihn entdecken. Aber haben wir ihn entdeckt dann geht es auch wieder aufwärts.
    Das Leben meint es nicht immer gut mit uns. Daher sollten wir es gut mit uns meinen.

    • Manuela Komorek

      4. Dezember 2017

      Ja das stimmt. Danke für den Kommentar und herzliche Grüße – Manuela Komorek

  • Anne

    18. Dezember 2017

    Hallo Frau Komorek, auch wir haben Probleme mit unserem Sohn 37 Jahre alt…verheiratet….einen Ziehsohn und Zwillinge ( Buben ).
    Wir sind 61 und 59 Jahre alt stehen voll im Berufsleben(Schichtarbeit meinerseits) Zwei Kinder haben wir…unseren Sohn und eine Tochter 32…..sie hat ein Kind. Seit mein Sohn Vater von Zwillingen geworden ist hält er uns regelmäßig Unverständnis vor. Dies geschieden alle halben Jahre, er beschimpft mich als schlechte Oma und Mutter……..wir könnten uns mehr um die Zwillinge kümmern…dies wäre nur am Wochenende möglich. Wenn wir gefragt wurden haben wir noch nie Nein gesagt.Zu unserer Tochter, sie wohnt ca ein einhalb Stunden entfernt haben wir kein gespanntes Verhältnis, obwohl sie uns selten sieht. Unser Sohn sagte uns, wir würden sie bevorzugen und ihn nicht verstehen, mir hat dies schon schlaflose Nächte bereitet. Ich weiß mir manches keinen Rat mehr, wie ich meinen Sohn besser verstehen soll und kann…..er ist jedoch schon längere Zeit in Psychologischer Betreuung……..

    • Manuela Komorek

      20. Dezember 2017

      Hallo Frau Herzog,
      es scheint so zu sein, dass Ihr Sohn gerade selbst sehr unter Druck steht, sonst hätte er sich bestimmt keine Hilfe geholt. Zeigen Sie ihm Ihre Grenze. Ohne Grund ist diese Form der Beschimpfung eine Frechheit – eigentlich ist sie es auch mit Grund. Sagen Sie ihm, dass Sie ihn lieben und jederzeit an einem konstruktiven Gespräch interessiert seien, aber Sie möchten dass er sich „benimmt“
      Ich weiß dass es einfacher klingt als es ist, denn oft schwingt dahinter die Sorge mit, er könne sich ganz zurück ziehen. Dennoch wird es Zeit Grenzen zu setzen und für sich selbst einzustehen.
      Alles Gute und viel Kraft dafür – Manuela Komorek

  • Micaela

    25. Dezember 2017

    Hallo Frau Komorek
    ich weiß im Moment auch nicht mehr weiter und suche nach einer kurzfristigen Lösung.
    Was ist passiert?
    Ich bin 44 und ziehe seIT 18 Jahren mit meinem Sohn alleine gross.
    Bis zum 18. Lebensjahr führten meiner Meinung nach mein Sohn und ich einen wundervolle und verbundene Mutter-Sohnbeziehung.
    Mir war immer wichtig das er Kontakt zu seinem Vater hat und hält da ich leider meinen Vater nie kennen lernen durfte.
    In der Nacht zu seinem 18. Geburtstag ließ er mich wissen das er schwul ist. Das haute mich für zwei Tage aus den Socken aber aus dem Grund weil ich nicht wusste wie ich als Mutter damit umgehen soll. Ich holte mir gleich Hilfe bei einer Psychologin und sofort nach dem Gespräch stand dieses Thema nicht mehr zwischen uns.
    Jetzt ist er 21 und bekommt sein Leben nicht wirklich auf die Reihe.
    Ich habe mir schon Hilfe geholt. Aber es reicht nicht aus wenn nur ich mich helfen lasse. Er hat viele Probleme und sprivat nicht darüber. Er stirbt von innen und ist sehr unglücklich.
    Es ist so eskaliert zwischen uns das wir uns räumlich trennten. Er ging zu seinem Vater.
    Bei dem letzten schweren Streit hat er mir vorgeworfen das er 12 Jahre in der Hölle lebte. Und er sich das Leben nehmen möchte. Wir sind so unterschiedlicher Meinung. Leiser ist es nicht bereit das wir uns helfen lassen um den optimalen Weg zu finden.
    Er blockt ab. Er wünscht mir das ich daran kaputt gehe und mir Vorwürfe mache denn er ist der Meinung das ich Schuld daran bin das er so ein schlechtes Leben hat.
    Nun hat sein Vater ihn einen Tag vor Weihnachten komplett vor die Tür gesetzt.
    Er ist jetzt obdachlos.
    Meine Mutter hat ihn jetzt zu Weihnachten aufgenommen.
    Aber nach die Tage muss er da raus.
    Er weiß nicht wohin.
    Er hasst mich.
    Ich könnte ihn auch nur aufnehmen wenn er für eine Therapie bereit wäre.
    Will er nicht.
    Was soll ich machen?
    Es frisst mich auf das kein Sohn nichts mehr hat. Ich bin seine Mutter ich kann ihn doch nicht draußen unter der Brücke lassen.
    Ich habe so Angst das er sich was antut.
    Was kann ich tun?
    Es ist mein Sohn ich liebe ihn.
    In grosser Verzweiflung sage ich danke das ich mich mitteilen durfte.
    Micaela

    • Manuela Komorek

      27. Dezember 2017

      Liebe Micaela,
      das ist wirklich eine harte Situation, in der du gerade bist und ich kann deine große Verzweiflung absolut nachvollziehen.
      Und dennoch kannst du nur sehr wenig tun. Als Eltern sind wir eigentlich nur „Assistenten des Lebens“. Wir können es weiter geben und unseren Kindern als Geschenk überlassen. Und wie immer bei einem Geschenk kommt es auf die Haltung an, in der wir das Geschenk geben. Du hast es deinem Sohn aus ganzem Herzen geschenkt, hast ihm auch ermöglicht, den Kontakt zum Vater zu halten. Das ist wirklich sehr viel, was du ihm gegeben hast.
      Nun ist es aber auch so, dass wir keinerlei Kontrolle darüber haben, was unsere Kinder mit dem Geschenk machen.
      Du kannst ihm wirklich nur noch „zumuten“, dass er sein Leben (also dein Geschenk) annimmt und etwas Gutes daraus macht. Das ist ganz allein seine Aufgabe.
      Ja es ist schwer und die Ängste kann dir niemand nehmen aber du darfst ihn trotz allem weiterhin lieben. Wenn du es schaffst, dann nimm ihn nicht wieder zu Hause auf, sondern lass die Verantwortung für sein Leben los. Die gehört ihm ganz allein.
      Viel Kraft und alles Gute wünsche ich euch beiden.