Augenblick mal – schaut euch in die Augen

Augenblick

Als Paartherapeutin beobachte ich alle Paare in meiner Umgebung gerne ganz genau. Ja, das ist so. Tut mir leid, wenn jetzt in meinem Freundeskreis alle Paare nervös werden, sobald ich den Raum betrete. Keine Angst – ich liebe euch und beobachte euch ausschließlich mit absolutem Wohlwollen.

Mit „ich liebe euch“ meine ich aber nicht nur meine Freunde, sondern ich meine wirklich alle, die sich auf das Abenteuer Partnerschaft einlassen. Egal wie ihr euch gerade fühlt in eurer Partnerschaft, ihr tut etwas zutiefst Menschliches, ihr bezieht euch aufeinander. Und eins weiß ich, wir wollen alle, dass unsere Beziehung glücklich ist. Wir wissen bloß nicht immer so genau, wie das geht und vor allem nicht, wie das über die Jahre mit unserem eigenen Partner gehen soll?

Paartherapeut als Big Brother

Am liebsten würde ich hier in Deutschland auch so ein Lovelab etablieren, das der Paartherapeut John Gottman in Amerika betreibt. Er beobachtet dort schon seit Jahren Paare in ihrem Alltag. Er lädt sie für ein ganzes Wochenende in ein extra dafür eingerichtetes Ferienhaus ein. In dem Haus sind, außer im Bad, überall Kameras – eine Art Big Brother der Wissenschaft. Seine Erkenntnisse aus dieser jahrelangen Forschung hat er dann in seinen Bücher veröffentlicht, z.B. „Die sieben Geheimnisse der glücklichen Ehe“.

Was ich aber ganz besonders interessant finde, ist die Art und Weise, wie Paare sich angucken. Denn sehr viel zeigt sich schon in der Art und Weise wie sie sich gegenseitig angucken. Natürlich gibt es auch darüber bereits viele Studien. Diese hier z.B. von der Universität in Chicago beweist, dass Liebe und Sex nicht immer zusammen gehören. Das haben sie durch ein EyeTracking System heraus gefunden. Okay, das wusstet ihr wahrscheinlich schon. 

Auf dem Beobachtungsposten

Am letzten Wochenende durfte ich einen wunderbaren Paar-Beobachtungsposten einnehmen. Ich war auf dem LiveEvent „SchreibGlück“ und konnte das Vorzeige-Ehepaar der digitalen Coachingszene einen ganzen Tag lang beobachten. Andrea und Veit Lindau! Ein Fest für meine innere Paarbeobachterin!

Ich hatte sogar das Glück in der ersten Reihe zu sitzen, sodass ich ganz entspannt alle Interaktionen verfolgen konnte! Ich machte es mir auf meinem Beobachtungsposten bequem und nahm absolut alles wahr. Veit selbst sprach in einem seiner Bücher mal darüber, man könne seine Vorbilder „downloaden“, so etwas Ähnliches tat ich dann auch. Ich wollte genau sehen, wie sie miteinander agieren und ob es Misstöne zwischen ihnen gibt. Sprechen sie überhaupt miteinander? Wenn ja, wie? Berühren sie sich an beim Sprechen? Wie ist die Atmosphäre zwischen ihnen? Wie sprechen sie mit ihren Angestellten? Wie mit den, natürlich hauptsächlich weiblichen, Teilnehmerinnen des SchreibGlück Events und wie mit den ebenfalls anwesenden Verlegern?

Aber vor allem wollte ich wissen, ob sie sich noch in die Augen gucken?! Denn das ist es, womit viele Paare irgendwann aufhören. Wahrscheinlich, weil sie sonst sofort spüren, ob und wie nah sie sich noch sind. Und genau das wollen sie gar nicht unbedingt so genau wissen. Ich sehe immer die Verbundenheit zwischen einem Paar beim Blickkontakt und ich sehe auch, ob sie gerade Stress miteinander haben oder sogar kurz vor der Scheidung stehen.

Der Gedanke, „dem kann ich nie wieder in die Augen gucken“ kommt ja immer dann auf, wenn wir ein schlechtes Gewissen gegenüber einem anderen Menschen haben. In der Partnerschaft vermeiden wir gerne den Blickkontakt, wenn wir nicht wollen, dass der andere unsere Gedanken und vor allem unsere Gefühle erkennt. Wir fühlen uns diffus schuldig, weil wir vielleicht ein paar Mal zu oft an den Nachbarn gedacht haben oder auf Youporn nach den aktuellen Videos geguckt haben… Eher selten haben wir dem anderen wirklich etwas angetan, aber wir gehen trotzdem lieber aus dem Kontakt, bevor wir unseren heimlichen Gelüsten in den Augen des Partners begegnen.

Mindestens dreimal täglich

Warum erzähle ich euch das alles? Weil ich euch dazu auffordern möchte, euch in die Augen zu schauen, mindestens dreimal am Tag, wenn möglich. Wenn es euch schwer fällt oder gar nicht geht, dann nehmt es einfach als interessanten Hinweis.  Was ist der Grund? Wollt ihr ein Gefühl oder einen Gedanken vor eurem Partner verheimlichen? Oder vielleicht sogar vor euch selbst? Es sind die kleinen Dinge und Handlungen im Leben, die Veränderung bringen. Wenn ihr also gerade etwas ändern wollt in eurer Beziehung, dann beginnt damit, euch gegenseitig dreimal am Tag wirklich in die Augen zu schauen. Es dauert ja nur einen Augenblick.

Ach ja, Veit und Andrea machen übrigens alles richtig! Sie fassen sich an, sind aufmerksam miteinander und wertschätzen sich gegenseitig und vor allem sie gucken einander immer mal wieder wirklich in die Augen. Tut mir leid liebe Frauen, der Veit steht offensichtlich nicht mehr zur Verfügung. 

Wer jetzt denkt, die ist doch verliebt in den „Lindau“. Der hat bestimmt nicht ganz unrecht. Aber keine Sorge lieber Matthias, DICH LIEBE ICH. Weil du immer an meiner Seite stehst, mich im Alltag aushältst und mir manchmal echt auf die Nerven gehst. Und jetzt ist es natürlich Zeit, dir in die Augen zu schauen <3