3 Gründe warum sich Liebeskummer lohnt

Liebeskummer

Liebeskummer ist ein wirklich ätzendes Gefühl

Wir leiden sehr unter Liebeskummer. Die Tränen nehmen kein Ende oder wir schweigen vor uns hin und denken darüber nach, ob wir überhaupt weiter leben wollen. Wir stecken in einer extrem dramatischen Situation. Wer noch nie so etwas erlebt hat, glaubt vielleicht, dass es sich hier um ein bisschen Herzschmerz von kleinen Mädchen handelt. Tatsächlich geht es um eine tiefe und existentielle Krise. Und wie alle Krisen hat auch sie natürlich ihre guten Seiten. Hier sind drei davon

1. Liebeskummer beschenkt uns mit tiefen Gefühlen

Ein Leben, dass nur aus Freude und Leichtigkeit besteht klingt zwar gut, gibt es aber nicht. Es ist noch nicht einmal erstrebenswert, denn natürlich sind es die negativen Erlebnisse und Gefühle, die uns herausfordern zu wachsen. Aber was bedeutet dieses Wachsen überhaupt? Nachdem unser körperliches Wachstum irgendwann abgeschlossen ist, geht es jetzt darum, innerlich größer und weiter zu werden, denn sonst würden wir uns bis ans Lebensende um den Buddeleimer streiten.

Es geht darum über uns selbst hinaus zu wachsen. Die Version von uns, die wir jetzt noch sind, wird es nach dieser Krise nicht mehr geben. Du erlebst durch den Liebeskummer eine Art Upgrade. Es ist wie bei den Kindern, irgendwann interessiert sie der Buddeleimer nicht mehr, sie sind aus dem Sandkasten heraus gewachsen und selbst, wenn sie sich noch dazu herablassen, z.B. mit den jüngeren Geschwistern im Sandkasten zu spielen, ist es nicht mehr so wie vorher. Liebeskummer ist ein Zeichen dafür, dass wir im Sandkasten bleiben wollen, obwohl wir schon längst zu groß dafür sind. Die Lektionen, die wir dort Lernen können, haben wir alle verstanden und auch die Lust daran ist nicht mehr echt. Das woran wir leiden, wenn wir im Liebeskummer stecken, ist eigentlich die Verweigerung des nächsten Entwicklungsschrittes unserer Persönlichkeit.

Es geht darum, mehr Verantwortung für das eigene Gefühlsleben zu übernehmen. Gerade in langjährigen Beziehungen gab es definitiv schon sehr viel früher Warnhinweise, dass in dieser Beziehung etwas nicht stimmt. Wir haben sie einfach ignoriert. So als würden wir bei einem Auto lediglich die Glühbirne rausdrehen, wenn sie leuchtet, weil das Benzin alle ist. Und wir haben so getan, als müsste sich jemand anderes um das Problem kümmern. Jetzt im Liebeskummer ist endlich die Chance gekommen, zu diesen Gefühlen zu stehen und die Verantwortung für sie zu übernehmen. Das fühlt sich erstmal ungerecht an, ist aber langfristig eine wahre Befreiung, die ganz neue Erfahrungen und Möglichkeiten für uns bereit hält. So wie das Kind raus muss aus dem Sandkasten und rein in das Leben, so müssen wir raus aus dem Kummer über die Liebe.

2. Liebeskummer ist die beste Übung, um Loslassen zu lernen.

Loslassen ist auch so ein Schlagwort, das ein genaueres Untersuchen erfordert. Was sollen wir hier überhaupt loslassen und wie geht das eigentlich? Nichts von dem, was es loszulassen gilt, brauchen wir für unsere weitere Entwicklung. Es z.B. um die Sicherheit über die eigene Zukunft, die es allerdings gar nicht gab. Es geht um die Geborgenheit einer Zweierbeziehung, nach der sich jeder Mensch sehnt, die wir jetzt erstmal loslassen müssen. Und natürlich geht es auch um den Stolz des Ego, der sehr angekratzt ist, wenn wir verlassen werden. Dieser angekratzte Stolz löst den heftigsten Schmerz aus und er bringt eine extreme Wut über den anderen, die uns auf die schönsten Racheideen bringt. Diese Wut kann man ganz wunderbar im Film „Der Rosenkrieg“ mit erleben.

Aber Loslassen ist auch ein Prozess, der Zeit braucht und vor allem Achtsamkeit. Es ist wie beim Klettern auf einen Felsen. Wir müssen irgendwann den sicheren Halt loslassen, sonst stecken wir für immer an dieser Felswand fest. Auf keinen Fall dürfen wir jetzt jedoch ALLES auf einmal loslassen, denn dann stürzen wir ungebremst in die Tiefe.

Was heißt das jetzt auf der Gefühlsebene? Es geht darum, genau hinzuschauen, ob wir wirklich am liebsten in dieser Beziehung bleiben wollen. Es geht auch darum, die Trauer zu spüren, weil wir natürlich etwas verlieren, wenn wir sie loslassen. Wir sollten ehrlich zu uns sein, wieviel von diesen Gefühlen sind Gefühle eines kleinen Kindes, das alleine nicht überleben kann? Diese Gefühle stammen noch aus der Zeit der Kindheit und wir können sie loslassen, wir brauchen sie nicht, um ein glückliches und selbstbestimmtes Leben zu führen. Unsere Kindheit ist vorbei und unser Überleben hängt nicht mehr von unseren engsten Bezugspersonen ab.

Aber die Liebe und das Schöne aus der gemeinsamen Zeit dürfen wir behalten. Beides gehört uns und wir allein entscheiden, ob wir alles wegwerfen wollen oder ob wir es wie einen Schatz weiterhin aufbewahren. Es geht dabei nicht darum, den alten Partner unbedingt zurück haben zu wollen. Das geht sowieso nicht oder nur, wenn beide den nächsten Schritt in der eigenen Entwicklung gegangen sind. Es geht darum, die eigene Vergangenheit zu lieben. Hierüber haben wir die alleinige Macht. Nur wir selbst entscheiden, wie sie gewesen ist. Wir haben diesen anderen Menschen einmal geliebt, sonst hätte er uns nicht so verletzen können. Wenn wir uns dafür entscheiden, das Positive zu behalten, geht es uns selbst besser. Allen anderen ist es egal.

3. Liebeskummer und das System

Manchmal geht es aber beim Liebeskummer aber auch noch um etwas ganz anderes. Wer schon andere Blogartikel von mir gelesen hat, ahnt wahrscheinlich worauf ich hinaus will. Denn natürlich ist da auch noch das System, in das wir eingebunden sind. Häufig ist es gar nicht so sehr der Schmerz um den Verlust des Partners, sondern es ist ein tiefer Schmerz im Familiensystem, den wir jetzt noch einmal erleben. Es gibt in Systemen das unbedingt Recht auf Zugehörigkeit und niemand darf vergessen oder ausgeschlossen werden.

Vielleicht gibt es in deinem System einen viel zu frühen Verlust, der nicht betrauert wurde. Diese schweren Schicksale traumatisieren das ganze Familiensystem und sie wollen erinnert werden. In einer Systemaufstellung zeigt sich dann, dass wir den Partner eigentlich verwechselt haben. Das, was wir in ihm gesehen haben, war nicht der erwachsene Partner auf Augenhöhe, sondern wir haben in ihm den früh verlorenen Bruder oder sogar die Mutter gesehen, die wir immer vermisst haben. So eine Beziehung kann natürlich nicht glücklich sein. Wir werden dann durch den Schmerz des Verlustes noch einmal an diesen anderen, früheren Verlust erinnert.

Wenn wir jetzt diese beiden Ereignisse klar trennen und uns dem früheren Verlust noch einmal zuwenden, sind wir frei für eine nächste, glücklichere Beziehung.

Wege aus dem Liebeskummer

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