Wie teilt ihr eure Trennungskinder?

Kinder nach der Trennung

Die härteste und vor allem emotionalste Entscheidung nach einer Trennung ist sicher die, wie ihr die Trennungskinder weiter gemeinsam betreuen könnt, obwohl ihr jetzt kein Paar mehr seid.

In einem seiner Seminare hat Bert Hellinger dazu gesagt, dass die Kinder nach der Trennung zu dem Elternteil gehören, der verlassen wird, schließlich leidet er oder sie schon genug unter der Trennung, er dürfe nicht auch noch mit dem Verlust der Kinder bestraft werden. Ich sehe das anders, denn Kinder sind keine Trophäen, die es zu gewinnen oder zu verlieren gilt oder die wir gar zur Bestrafung des Ex-Partners einsetzen dürfen.

Mich leitet in diesen Fällen immer das Gedicht von Khalil Gibran. Es sagt eigentlich alles zur Haltung den Kindern gegenüber aus:

Eure Kinder sind nicht eure Kinder.

Sie sind die Söhne und Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich selber.

Sie kommen durch euch, aber nicht von euch,

Und obwohl sie mit euch sind, gehören sie euch doch nicht.

Ihr dürft ihnen eure Liebe geben, aber nicht eure Gedanken,

Denn sie haben ihre eigenen Gedanken.

Ihr dürft ihren Körpern ein Haus geben, aber nicht ihren Seelen,

Denn ihre Seelen wohnen im Haus von morgen, das ihr nicht besuchen könnt, nicht einmal in euren Träumen.

Ihr dürft euch bemühen, wie sie zu sein, aber versucht nicht, sie euch ähnlich zu machen.

Denn das Leben läuft nicht rückwärts, noch verweilt es im Gestern.

Ihr seid die Bogen, von denen eure Kinder als lebende Pfeile ausgeschickt werden.

Der Schütze sieht das Ziel auf dem Pfad der Unendlichkeit,

und Er spannt euch mit Seiner Macht, damit seine Pfeile schnell und weit fliegen.

Lasst euren Bogen von der Hand des Schützen auf Freude gerichtet sein;

Denn so wie Er den Pfeil liebt, der fliegt, so liebt er auch den Bogen der fest ist.

Ihr seid nur gemeinsam der Bogen, der euren Kindern Halt und Richtung gibt. Eure Aufgabe ist es, ihnen starken Halt zu geben und den Bogen auf die Freude auszurichten, damit die Kinder in diese Richtung „fliegen“. Das betrifft natürlich nicht nur Trennungskinder.

Vielleicht ist das für den einen oder die anderen zu lyrisch aber es steckt soviel Wahrheit darin, die auch euch selbst den Halt geben kann, den auch die Eltern nach einer Trennung dringend brauchen.

Eltern bleiben für Trennungskinder 

Es ist hart, nicht schlecht über einen Menschen zu sprechen, der uns verletzt, gedemütigt und verlassen hat. Aber keine Sorge, darum geht es nicht!

Ihr dürft über euren Expartner schimpfen, lästern und meckern soviel ihr wollt. Sobald ihr aber im Kontakt mit euren Kindern seid, müsst ihr damit aufhören. Sie bekommen sonst eure Wut und Verzweiflung ab und ihr verletzt sie dadurch sehr. Sie müssen ihren Papa oder ihre Mama weiterhin lieben dürfen. Sorgt irgendwie dafür, dass das möglich ist. Und wenn euch das gelingt, seid stolz auf euch und freut euch darüber, denn ich weiß aus eigener Erfahrung, dass das gar nicht so einfach ist.

Es ist eine Tatsache, dass ihr die einzig möglichen Eltern für eure Kinder seid. Daran lässt sich nichts mehr ändern und ihr werdet auch die einzig möglichen Großeltern für eure Enkelkinder sein, wenn ihr welche bekommt. Das ist völlig unabhängig davon, wie toll sich ein neuer Partner oder eine neue Partnerin um eure Kinder kümmert. Er wird nie Vater oder Mutter für sie sein können. Bleibt an dieser Stelle so fest und klar wie der Bogen aus dem o.g. Gedicht, dann habt ihr wirklich viel für eure Kinder getan.

Ich erlebe auch oft, dass die Eltern sich gegenseitig verdächtigen schlecht übereinander zu reden und die Trennungskinder zu benutzen, um den anderen zu verletzten. Tatsächlich kann das so sein. Lasst euch trotzdem nicht dazu verleiten, es zu tun! Holt euch Hilfe, wenn ihr es nicht schafft. Ihr könnt euren Ex-Partner noch weniger ändern als euren Partner, ihr könnt nur euch selbst dabei helfen, weiterhin gemeinsam für die Trennungskinder da zu sein.

Trennungskinder vor der Wahrheit schützen

Immer wieder kommen Menschen zu mir in die Beratung, denen in der Kindheit nicht die Wahrheit gesagt wurde. Ihnen wurde ein Stiefelternteil als Vater oder Mutter präsentiert.

Niemand wollte den Kindern damit etwas Böses antun. Ganz im Gegenteil, meistens ist es der scheinbar bessere Weg, auch für die Kinder. Doch damit sind sie verwirrt und überfordert. Finden sie dann später die Wahrheit heraus, sind sie erschüttert und zweifeln an sich selbst. Erspart euren Kinder diese jahrelange Verwirrung und Verunsicherung und steht weiterhin BEIDE als Eltern für eure Kinder zur Verfügung.

Mir ist schon klar, dass das im Alltag manche Schwierigkeit beinhaltet. Mit diesen Schwierigkeiten kommen die Menschen zu mir in die Beratung. In dem einen Fall zieht der Vater mit seiner neuen Frau nach London, die Mutter ist mit dem gemeinsamen Sohn allein oder eine Mutter tut alles, um dem Vater den Kontakt zur gemeinsamen Tochter verweigern, weil sie ihm nicht zutraut, dass er gut mit ihr umgehen kann.

Aber selbst in solchen Fällen gibt es Lösungen, die die Wahrheit zulassen.

Die Mutter des Kindes, deren Vater nach London gezogen ist, hat ihn nicht rausgelassen aus dem gemeinsamen „Bogen“. Stattdessen ist sie mit dem gemeinsamen Sohn nach London geflogen und hat ihn dort ein paar Wochen beim Vater gelassen. Der war zunächst nicht sehr erfreut und ihr ist das nicht leicht gefallen, denn natürlich hat sie ihren Sohn vermisst und sie hat in den Wochen sehr gelitten. 

Aber es hat sich gelohnt, denn endlich kam eine Beziehung zwischen Vater und Sohn zustande und zwar ohne die Mutter. Der Sohn war damals gerade 5 Jahre alt. Es hat ihm nicht geschadet, sondern im Gegenteil, ab dem Zeitpunkt hat der Vater alles mögliche dafür getan, seinen Sohn zu sehen und die Mutter hat ihn dabei unterstützt. Die Mutter konnte so stark sein, denn sie hatte keine Zweifel, dass das Kind den Vater braucht. Sie hat die Trauer auf sich genommen und sie dadurch dem Kind erspart.

Wenn der Vater kein prügelnder und krimineller Alkoholiker ist, empfehle ich den Frauen zumindest darüber nachzudenken. Auch wenn der Vater einen anderen Erziehungsstil hat, können wir darauf vertrauen, dass es der richtige Stil für die Kinder ist. Er ist schließlich der Vater und sie tragen seinen „Stil“ sowieso in sich.

Das gilt natürlich andersherum auch für die Mütter.

Der kaukasische Kreidekreis

Ganz anders ist die Situation, wenn wie in dem andere Fall, die Mutter den Kontakt zwischen Vater und Tochter aktiv verhindert. Hier kam der Vater völlig verzweifelt in meine Beratung. Er wünschte sich, dass seine Exfrau ihm Zeit mit der gemeinsamen Tochter schenkte, aber sie erfand immer neue Ausreden, warum das nicht möglich sei. Anfangs hatte mein Klient noch versucht, die Tochter irgendwie auf seine Seite zu ziehen, wie in der alten Geschichte des kaukasischen Kreidekreises. Aber dann wurde ihm klar, dass es das Mädchen war, das darunter litt. Er ließ sie los und ab da war er derjenigen, der aus Liebe zu seiner Tochter das Leiden übernahm.

Ich habe große Achtung vor diesen Eltern, die aus Fürsorge für die Kinder auf den Kontakt zu ihnen verzichten.

Trennungskinder

Briefe an die Kinder

Oft hilft es ihnen, täglich einen Brief an die Kinder zu schreiben. Auch wenn sie den Brief niemals abschicken, weil sie wissen, dass der Expartner den Kindern die Briefe vorenthalten oder sogar vernichten wird, schreiben sie weiter. Nichts Großartiges, sondern einfach das, was gerade in ihrem Leben passiert. In dem Leben, das sie gerne mit den Kindern geteilt hätten. So bleiben sie innerlich in Verbindung mit ihnen und manchmal kommt der andere Elternteil im Laufe der Zeit auch zur Vernunft oder die Kinder kommen irgendwann von sich aus auf den vermissten Elternteil zu. Dann können sie ihnen die ganzen gesammelten Briefe geben. Für die Kinder ist das ein unglaublich starkes Zeichen. Es zeigt ihnen, wie wichtig sie dem vermissten Elternteil waren und sind. 

Wenn die Trennungskinder nur bei einem Elternteil wohnen

Fast immer es so, dass die Kinder nach der Trennung bei einem Elternteil ihren Lebensschwerpunkt haben. Und selbst wenn die Kinder jede Woche pendeln und wirklich eine Woche bei dem einen und die nächste Woche bei dem anderen Elternteil wohnen, gibt es meistens einen Ort, an dem sie sich mehr zu Hause fühlen oder an dem sie offiziell gemeldet sind. Manchmal ist es den Kindern zu anstrengend ständig zu wechseln, dann können die Eltern es ihnen so leicht wie möglich machen. Entweder näher zusammen ziehen oder die zeitlichen Abstände, in denen sich wechseln vergrößern.

Wenn die Eltern immer sehr genau auf die Kinder schauen und in ihrem Sinne handeln, sind alle Modelle, die alltagstauglich sind gut. Keinesfalls solltet ihr die Kinder vor dem 14. Lebensjahr  selbst entscheiden lassen, wohin sie wollen. Damit sind sie überfordert. Die Kinder akzeptieren die Lösungen der Eltern ohne darunter zu leiden, wenn diese sich gegenseitig respektieren und ihnen den „barrierefreien“ Zugang zu beiden Elternteilen ermöglichen

Gerne unterstütze ich getrennte Eltern dabei eine Lösung zu finden, die hilft, dass sich die Trennungskinder wie der „Pfeil“ in dem Gedicht von Khalil Gibran auf die Freude ausrichten dürfen.

Hier könnt ihr einen Termin für ein kostenloses Vorgespräch vereinbaren. Es gibt immer einen Weg!

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