Rosenkrieg kann tödlich sein

Rosenkrieg

Als ich den Film „Der Rosenkrieg“ das erste Mal sah, war ich entsetzt!  Wie konnte es nach einer scheinbar harmonischen Ehe dazu kommen, dass sich das Paar am Ende gegenseitig tötet? Sollte so etwas nur wegen schnöder Materie möglich sein?

Okay das war 1989 und ich war damals 22 Jahre alt. Wie wir alle glaubte ich noch an die romantische Liebe. Heute als Paartherapeutin habe ich schon eher eine Idee, wie es dazu kommen konnte –  soweit ich weiß, haben die beiden keine Paartherapie gemacht 😉

Wer diesen Film nicht kennt und über eine Scheidung nachdenkt, dem empfehle ich unbedingt ihn zu gucken und auch alle, die in die Abgründe der Eskalation blicken möchten, sind damit zu beraten.

Die 9 Eskalationsstufen im Rosenkrieg

Im Film sieht man sehr deutlich, wie die beiden „Liebenden“ die Eskalationsstufen immer tiefer hinabsteigen. Friedrich Glasl, ein österreichischer Konfliktforscher, hat diese Stufen schon 1980 benannt und seitdem häufig zur Orientierung in Streitfragen im Coaching genutzt.

  1. Stufe Verhärtung
    Es gibt unterschiedliche Ansichten und Spannungen zwischen zwei Personen
  2. Stufe Debatte
    Beide beginnen miteinander zu diskutieren und versuchen sich gegenseitig davon zu überzeugen, dass sie recht haben.
  3. Stufe Taten statt Worte
    Wenn die Worte nicht mehr ausreichen, folgen konkrete Taten, die den anderen von der eigenen Meinung überzeugen sollen, z.B. verklagen wir den anderen. Das Mitgefühl füreinander geht lverloren.
  4. Stufe Koalition
    Nicht missverstehen, nicht die beiden Konfliktpartner bemühen sich um eine Koalition, sondern sie suchen sich andere Verbündete, die sie auf ihre Seite gegen den anderen ziehen können.
  5. Stufe Gesichtsverlust
    Ab diesem Zeitpunkt wollen beide Parteien, dass der andere unglaubwürdig wird. Er soll sein Gesicht verlieren und schlecht dastehen, sie schrecken auch vor Verleumdung nicht zurück.
  6. Stufe Drohstrategien
    Beide Gegner versuchen es mit Sanktionen und Drohungen gegen den anderen, um die eigene Macht zu erhöhen. Es geht schon lange nicht mehr um die Sache.
  7. Stufe Begrenzte Vernichtung
    Auf dieser Stufe beginnen die Gegner  sich tatsächlich gegenseitig zu schaden und es wird sogar ein begrenzter eigener Schaden in Kauf genommen, solange der Schaden des anderen größer ist als der eigene.
  8. Stufe Zersplitterung
    Jetzt weitet sich der Wunsch danach dem anderen zu schaden auch auf die Menschen aus, die sich auf die Seite des Gegners gestellt haben. Die Parteien versuchen die Koaliitonen des anderen zu zerstören.
  9. Stufe Gemeinsam in den Abgrund
    Am Ende sind beide Parteien sogar bereit, den eigenen Tod zu akzeptieren, Hauptsache der Gegner ist vernichtet. Genauso endet der Rosenkrieg im Film auch.

Meine Erfahrung zeigt darüber hinaus, dass es in der Paarbeziehung noch eine Vorstufe gibt, denn vor der ersten Stufe steht die Verheimlichung. Sobald sich einer von beiden dafür entscheidet, dem anderen aus Angst vor den Konsequenzen etwas zu verschweigen, riskieren sie den Beginn der Eskalation. Natürlich haben sie jederzeit die Möglichkeit aus dieser Abwärtsspirale auszusteigen, z.B. indem sie sich doch noch für die Offenheit entscheiden, das gelingt sofort und auf jeder Stufe.

Allerdings ist es nicht so einfach im Falle einer unfreiwilligen Trennung der Eskalation zu widerstehen. Es müssen so unglaublich viele Gemeinsamkeiten für die Zukunft getrennt werden.

Rosenkrieg und Schulden 

Beginnen wir dem negativen, das gemeinsam „erschaffen“ wurde, den gemeinsamen Schulden. Natürlich muss alles, wofür gemeinsam unterschrieben wurde, auch gemeinsam abbezahlt werden. Kleinere Ausnahmen, wie z.B. alleinige Nutzung eines Fahrzeugs für das beide den Kredit unterschrieben haben. Diese Ausnahmen sind sehr selten, besser ist es vorher aufzupassen, wofür gemeinsame Schulden gemacht werden, egal wie groß die Liebe am Anfang ist.

Auch Steuervorteile oder um dem anderen aus der Patsche zu helfen, sollten gut hinterfragt werden und besser mit einem Steuerberater oder Anwalt besprochen werden BEVOR beide ihren Namen unter einen Kreditvertrag setzen.

Sehr oft binden genau diese Dinge zwei Menschen aneinander, obwohl sie sich nichts sehnlicher wünschen als endlich einen Neuanfang zu starten. In solchen Fällen ist es meistens besser, einen eigenen Kredit aufzunehmen und den anderen auszuzahlen, dann entfallen die ständigen Zahlungen, die so deutlich mit dem Expartner oder der Expartnerin in Verbindung stehen.

In einer EinzelbBratung kamen wir zu dem Ergebnis, dass sie sich einen etwas höheren Kredit aufnimmt als nötig um den Exmann auszuzahlen (Kredite waren gerade sehr günstig). Von dem Geld hat sie sich ein teures Ölbild gekauft hat, das sie sich sonst nicht hätte leisten können. Jetzt ist die Kreditabzahlung positiv besetzt und sie ärgert sich nicht wie vorher jeden Monat darüber. Immer wenn sie nun das Bild anschaut, ist sie froh über diese Entscheidung und wenn sie Glück hat, steigt es sogar im Wert.

Nein, ich rate nicht IMMER dazu, sich höher zu verschulden als nötig, aber in dem Fall war es psychisch eine sehr gute Lösung.

Rosenkrieg und Materie 

Meistens ist es das gemeinsame Haus, dass es nach einer Trennung zu teilen gilt. Das war es, was sie im Rosenkrieg versuchten zu zerteilen und in dem beide leben wollen, aber es kann auch um ein gemeinsames Auto, die gemeinsame Kunstsammlungen oder das gemeinsames Sofa gehen. Selten geht es hier wirklich um die Sache.

Manche Paare schaffen es gut, sich die Dinge aufzuteilen, sie wissen genau, wer woran am meisten hängt und gehen wohlwollend miteinander um. Oft verzichtet sogar einer von beiden auf Dinge, die ihm oder ihr ganz besonders wichtig sind. Das hat unterschiedliche Gründe, entweder fühlt er sich schuldig an der Trennung und es soll eine Art Wiedergutmachung sein oder sie will so schnell wie möglich weg und möchte sich nicht wegen „so etwas“ aufhalten lassen.

Manchmal tut es ihm oder ihr hinterher leid, aber meistens wird der Preis für die Freiheit gerne gezahlt.

Rosenkrieg und Herzensangelegenheiten 

Rosenkrieg und ScheidungSchwieriger ist das schon bei den Dingen und vor die Trennung von den Menschen, die uns wirklich am Herzen liegen, wie z.B. die gemeinsamen Freunde und Familienmitglieder (die Kinder sind hier ausgenommen, denn sie werden in einem Extrablogbeitrag besprochen) oder gemeinsame Hobbys.

Selten schafft es ein Paar, nach der Trennung weiterhin im gleichen Verein Sport zu machen oder die Geburtstage von gemeinsamen Freunden fröhlich miteinander zu feiern. Hier braucht es Strategien, wie sie in Zukunft damit umgehen wollen.

Es wird sicher nicht ganz ohne Verzicht und Veränderungen gehen. Manchmal ist das kaum auszuhalten, gerade wenn man selbst die Beziehung gerne weiter geführt hätte. Eine allgemeine Lösung kann es nicht geben. In einer Beratung hat sich das getrennte Paar dann so geeinigt, dass sie zu den Einladungen der Frauen geht und er zu den Einladungen der Männer. So pragmatisch können Lösungen aussehen, wenn man sich von einer neutralen Person begleiten lässt.

Meistens braucht es aber zusätzlich noch Zeit aber dann entsteht automatisch ein neuer Alltag ohne den Anderen.

Rosenkrieg und die Vergangenheit 

Und noch etwas verändert sich nach einer Trennung, die gemeinsame Vergangenheit. Häufig ist sie dann auf einmal mit einem Gefühl des Scheiterns verbunden. Im schlimmsten Fall auch noch mit Wut, Trauer und Verachtung für sich selbst und / oder den anderen.

Wer die gemeinsame Zeit trotz Trennung positiv in Erinnerung behalten will, muss sich näher mit diesen unangenehmen Gefühlen beschäftigen. Vielleicht braucht es dazu ein paar Jahre, bevor man den Mut dafür aufbringt. Aber es lohnt sich, denn auch die gemeinsame Vergangenheit hat uns zu dem gemacht, der oder die wir heute sind.

In Systemaufstellungen kann man sich wunderbar noch einmal mit dem Expartner konfrontieren, ohne dass er oder sie wirklich physisch anwesend sein muss. In so einer Aufstellung kommen Sätze vor, wie „Schade, dass es mit uns nicht geklappt und ich übernehme meinen Teil der Verantwortung dafür und lasse deinen Teil bei dir“ aber auch „Danke für das, was du mir gegeben hast, ich habe es gerne genommen und halte es in Ehren. Und das, was ich dir gegeben habe, darfst du behalten.“

So etwas ist erst möglich, wenn der schlimmste Schmerz und die größte Wut über die Trennung überwunden sind, aber dann hat diese Arbeit Kraft und sie befreit von dem ganzen Gefühlsballast, der uns in der Vergangenheit festhält.

Das innere Kind 

Wenn der Schmerz über eine Trennung einfach nicht vorbei gehen will, kann es sein dass, Verletzungen aus der Kindheit wieder hervor gerufen wurden, die jetzt noch einmal Aufmerksamkeit von uns verlangen. Wir fühlen uns dem Expartner genauso hilflos ausgeliefert wie damals unseren Bezugspersonen, meist waren es die Eltern.

Der Unterschied ist jedoch, dass wir jetzt erwachsen sind, wir sind nicht mehr in Lebensgefahr, wenn wir verlassen werden. Für Babys und Kleinkinder ist genau das sehr oft die Realität und deshalb ist dieses Gefühl in der Kindheit so traumatisierend.

Über das innere Kind und die Paarbeziehung habe ich diesen Blogartikel geschrieben. Wer sich hier angesprochen fühlt, dem empfehle ich unbedingt das Buch „Das Kind in dir muss Heimat finden“ von Stefanie Stahl.

Selbstverständlich begleite ich euch auch gerne durch diesen schmerzhaften Prozess. Wenn ihr Unterstützung von mir möchtet, dann vereinbart doch hier einenTermin für ein kostenloses Vorgespräch. Ich freue mich auf euch.

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