Monogamie – ja oder nein?

Monogamie

6 Gründe für die Monogamie und 6 Gründe dagegen

Immer wieder steht die Monogamie im Kreuzfeuer der Kritik und auf dem Prüfstand der Gesellschaft. Die meisten von uns werden sich noch gut daran erinnern, dass sie in den 60ern und 70ern sogar für unbrauchbar erklärt wurde. Damals war die freie Liebe so unglaublich verlockend, dass viele ihrem Ruf folgten! Ich sage nur Kommune eins und Blumenkinder.

Viele meiner Experten vom Aufstellungskongress haben diese Zeit als junge Menschen erlebt und die freie Liebe getestet. Sie haben sich wie viele andere auch wieder für die Monogamie entschieden. Bedeutet das jetzt, dass das damalige Experiment grandios gescheitert ist? Oder ist es nur ein Zeichen dafür, dass wir als Gesellschaft und als Individuum noch nicht so weit waren? Tatsache ist, dass die meisten Ehen zerbrechen, weil es einem Partner in der Beziehung nicht gelingt, das Gesetz der Monogamie einzuhalten und der andere darauf mit Trennung reagiert. 

Immer wieder versuchen wir aus der strengen Monogamie heraus zu wachsen und freier zu werden. Der aktuelle Lebensform, auf die wir uns geeinigt haben heißt serielle Monogamie und macht uns zu Lebensabschnittsgefährten, die hauptsächlich monogam zusammen leben. Polyamorie heißt die freie Liebe heute mit der wir uns von der scheinbar überholten und unnatürlichen Monogamie – egal ob seriell oder nicht – befreien. Auch in dem aktuellen Buch „Sex – die wahre Geschichte von Christopher Ryan und Cacilda Jethá“ wird die Monogamie als widernatürlich angesehen. Ist also die Polyamorie unsere Zukunft? 

Kann sein, aber bevor ich wir uns von der Monogamie komplett verabschieden, lohnt sich ein klarer Blick auf das, was wir zurück lassen wollen. Vielleicht brauchen wir es ja doch noch?

Darüber hinaus bin ich immer auf der Suche nach dem sowohl als auch und der Balance, deshalb habe ich 6 Gründe für Monogamie und 6 Gründe gegen Monogamie gesucht und gefunden.

6 Gründe für Monogamie 

1. Patriarchat – die väterliche Erblinie ist möglich

Angeblich ist genau das der ganz ursprüngliche Urgrund für die Monogamie. Wenn eine Frau nur mit einem einzigen Mann Geschlechtsverkehr hat, kann er sicher sein das die Kinder, die sie bekommt auch wirklich seine leiblichen Kinder sind und er kann diesen die Früchte seiner Arbeit vererben.

2. Gutes Gewissen

Wenn wir uns als Paar darauf einigen monogam zu leben, haben wir ein gutes Gewissen und zwar nicht nur, weil wir unsere gemeinsamen Regeln einhalten, sondern auch, weil wir uns gesellschaftlich anerkannt und zugehörig fühlen. Das gute Gewissen ist ein Gradmesser der Zugehörigkeit, wenn wir uns dazu gehörig fühlen, haben wir in der Regel ein gutes Gewissen und das fühlt sich eben auch gut an. 

3. Geschützter Raum für Sexualität

Wir fühlen uns im besten Falle sicher und geschützt, wenn wir uns die Sexualität exklusiv nur gegenseitig schenken. Eine weitere Person würde uns vor allem am Anfang stark verunsichern und zum Rückzug treiben. Es lohnt sich wirklich diesen gemeinsamen Raum zu schützen, vor allem weil wir in der Sexualität so extrem verletzbar sind und meistens auch schon viele Verletzungen erlebt haben.  Halten wir diesen Raum also exklusiv füreinander und bleiben wirklich offen, kann echte Begegnung und im besten Falle auch Heilung von früheren Verletzungen stattfinden. 

4. Normalität

Nicht jeder Mensch möchte von der Norm abweichen, ganz im Gegenteil fühlen wir uns sehr oft gut und zufrieden, wenn wir wissen, dass das, was wir tun ganz normal ist. Das hat wieder mit der Zugehörigkeit zu tun, die wir nicht unterschätzen sollten, denn sie ist eine starke Kraft, die immer wirkt, wenn wir in einer Gemeinschaft leben. Um uns in der Gemeinschaft zu orientieren brauchen wir die Norm. Das ist grundsätzlich kein Problem, erst wenn wir sie missbrauchen, indem alles andere ausgegrenzt und sogar vernichtet werden soll. Erst dann wird die Normalität oder genauer gesagt, ihr Missbrauch zum Problem.

5. Verbundenheit

Bei jedem Orgasmus werden Bindungshormone freigesetzt und je häufiger wir den gemeinsamen Sex erleben, desto tiefer und enger fühlen wir uns verbunden. Wenn der Sex dann auch noch exklusiv ist, ist die Bindung entsprechend stark und exklusiv. Bindung entsteht also durch den Orgasmus, somit kann mich mein Orgasmus auch an Pornobilder binden und ich kann Sex ohne Orgasmus haben, und mich entsprechend weniger verbunden fühlen.

6. Verzicht macht wertvoll

Der Verzicht auf alle anderen möglichen Partner oder Partnerinnen wird als starkes Ja füreinander erlebt. Dieser Verzicht kann nicht hoch genug geachtet werden. Dafür sollten wir einander immer mal wieder danken, vor allem dann, wenn wir uns dieses Geschenk gegenseitig freiwillig und aus vollem Herzen machen.

6 Gründe gegen Monogamie 

1. Freiheit

Sich wirklich frei entscheiden zu können, der körperlichen Lust nachzugeben, ist der Traum von vielen Menschen, denn natürlich fühlen wir uns sexuell nicht ausschließlich zu unserem Partner hingezogen. Das gilt für Männer und Frauen übrigens gleichermaßen. Und nur wenn beide Partner die gleiche Freiheit haben, hat sie überhaupt einen Wert.

2. Natürlichkeit

Wenn wir unsere Liebe und unsere Triebhaftigkeit nicht mehr unterdrücken müssen, sondern frei ausleben, wachsen wir in unsere natürliche Form. Wir unterdrücken die Gefühle nicht, wir haben auch keine Angst vor ihnen, sondern wir lernen sie als ganz natürlich anzuerkennen. Das geht nur, wenn sie da sein dürfen so wie sie sind und nicht in eine Form gezwungen werden müssen.

3. Entwicklung

Polyamorie ist eine riesige Herausforderung für alle Beteiligten. Vor allem geht es darum, die sexuelle Lust und Unlust des Lebenspartners nicht persönlich zu nehmen.  Wenn es gelingt, wachsen wir aus Eifersucht und Besitzansprüchen heraus und wir entwickeln neue Formen des Zusammenlebens. Aber das braucht in etwa soviel Zeit, wie sie das Meer braucht um aus einem Felsen Sand zu formen… Beharrlichkeit sorgt jedoch zwingend dafür, dass es passiert.

4. Ehrlichkeit

Wir können endlich ehrlich sagen, was uns umtreibt ohne Angst zu haben, den Partner oder die Partnerin durch unsere eigene Lust zu verletzen. Okay, das sollten wir auch tun, wenn wir uns für die Monogamie entschieden haben, aber in der Polyamorie ist sie noch zwingender erforderlich um Verletzungen zu vermeiden, denn gerade den heimlichen Betrug wollen wir ja damit vermeiden.

5. Aufregung

Wir erinnern uns alle noch an die Aufregung und Anziehungskraft des Anfangs. Ohne Monogamie erleben wir dieses Abenteuer und diese Aufregung sehr viel häufiger. Das Leben wird spannender und aufregender.

6. Matriarchat – nur die mütterliche Erblinie ist möglich

Wenn es nicht mehr gesichert ist, wer der Vater der Kinder ist, dann muss die Vererbung logischer Weise auf der mütterlichen Linie basieren und schon haben wir ein Matriarchat, denn lediglich die Vererbungslinie macht den Unterschied zwischen Patriarchat und Matriarchat.

Weitere Ausführungen zu diesem Thema sprengen definitiv den Rahmen dieses Artikels!

Um sicher zu gehen, nicht missverstanden zu werden, es geht mir hier nicht darum, wer unterdrückt wen und was ist besser oder schlechter!

Auch wenn ich es wirklich nicht beabsichtigt habe, ist aus der Suche nach dem Für und Wider der Monogamie eine Reise vom Patriarchat zum Matriarchat geworden. Damit habe ich mich selbst erstaunt und das ist auch der Grund, warum ich diese Blogartikel schreibe.. um mich immer mal wieder mit schönen Erkenntnissen zu überraschen 😉 Und natürlich hoffe ich, dass es euch genauso geht.

Ach ja, vielleicht hat jemand die Treue vermisst? Sie macht nur Sinn als Treue zu mir selbst und zu meinen Gefühlen. Ich muss nicht alle Gefühle ausleben, aber es ist hilfreich wenn ich ja ihnen und zu mir sage, bis dass der Tod uns scheidet. Diese Treue kann ich übrigens völlig unabhängig davon leben, ob ich mich für Monogamie oder Polyamorie entscheide… 

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6 Comments

  • Werner

    Reply Reply 11. November 2016

    den Artkel finde ich interessant. Die Frage der Monogamie ist gut beschrieben!

    • Manuela

      Reply Reply 11. November 2016

      DANKE Werner für den Kommentar. Freut mich, dass dir der Artikel gefällt.

  • Tanja

    Reply Reply 11. November 2016

    Sehr gut. Ich bin zwar Single möchte aber für mich vir der nächsten Partnerschaft klären, was ich möchte.
    Nehmen ist einfach… geben schon schwieriger!

    • Manuela

      Reply Reply 11. November 2016

      Danke Tanja für den Kommentar. Manchmal ist es genau umgekehrt, da ist das Geben einfach und das Nehmen fällt schwer (Helfersyndrom)… Die Kunst ist wie so oft, die richtige Balance zu finden.

  • Bernd

    Reply Reply 11. November 2016

    Toller Artikel. Beschäftigte mich auch schon länger mit diesem Thema. So kurz und knapp und gut; ist mir noch nicht untergekommen. In der ZEIT war vor ein paar Wochen auch Artikel darüber. Der war auch gut; aber Deiner beleuchtet es von mehreren Seiten. In der ZEIT ging es vor allen Dingen um die gesellschaftliche Akzeptanz.

    • Manuela

      Reply Reply 12. November 2016

      Danke Bernd für diesen Kommentar. Dass meine Blogartikel sogar mit der Zeit mithalten können, freut mich natürlich sehr 😉 Ja, gesellschaftliche Akzeptanz kommt erst in einem zweiten Schritt und wahrscheinlich auch nicht mehr in meiner (unserer?) Generation. Aber es ist gut, dass wir so weit denken dürfen wie wir können, ohne ernsthaft gefährdet zu sein.

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