Geld und Liebe

Geld und Liebe

Seit Jahrhunderten ist unsere Gesellschaft darauf aufgebaut, dass Frau und Mann zusammen leben, am besten ein Leben lang. Auf dieses Modell haben sich unsere Vorfahren verlassen, meistens auch unsere eigenen Eltern und auf diesem Modell steht auch unsere Gesellschaft immer noch.

Geld und Liebe

Eine Trennung war für unsere Vorfahren oftmals riskant und darüber hinaus auch schlecht angesehen. Geld und Liebe war weder ein Gegensatzpaar noch gehörte es zusammen. Geld und Liebe hatten nichts miteinander zu tun. Geld hatte der Mann und er hatte auch die Frau, beides gehörte ihm, Liebe kam dazu, wenn sie Glück hatten.

Und so blieben die Paare zusammen, weil eine Trennung für beide hauptsächlich Nachteile hatte. Ein Mann, der seine Frau verließ war genauso schlecht angesehen, wie eine Frau, die sich scheiden ließ. Also taten beide alles dafür, die Ehe aufrecht zu erhalten, völlig unabhängig von der Liebe oder gar dem Glück des Einzelnen. 

Diese Zeiten sind noch gar nicht so lange vorbei und die dazu gehörigen Gefühle haben wir als Kinder sehr häufig bei unseren Eltern beobachtet. Viele Paare in meiner Beratung behaupten, dass ihre Eltern nicht glücklich waren, sondern vor allem aus finanziellen Gründen zusammen geblieben seien.

Aber genau das wollen wir jetzt nicht mehr! Wir wollen uns trennen können, wenn uns die Partnerschaft unglücklich macht. Wir wollen nicht mehr verpflichtet sein, in einer Sackgasse zusammen festzustecken. Und wir wollen auf keinen Fall nur aus finanziellen zusammen bleiben.

Und das ist auch gut so!

Es ist gut, dass wir in unserer Gesellschaft alles dafür tun, dass zwei Menschen sich entweder freiwillig ihr Leben teilen oder gar nicht, denn dieser finanzielle Zwang hat so viele Lebensträume, soviel Lust und Liebe zerstört, dass es gut ist, wenn das aufhört. Die Kehrseite ist aber die Gefahr der leichtfertigen Trennung und ich erlebe es fast schon als Zwang, sich zu trennen, sobald es in der Beziehung schwierig wird. Es gibt keine langjährige Beziehung ohne Krisen, oft lohnt es sich, sich erstmal von ein paar Glaubenssätzen und Vorstellungen von der Beziehung zu trennen und nicht gleich vom Partner.

Ein größeres Problem sehe ich darin, dass wir finanziell der größeren emotionalen Freiheit hinterher hinken.

Finanzielle Abhängigkeit 

Auch in meiner Beratung sind immer noch sehr viele Frauen von ihren Männern finanziell abhängig, andersherum ist es sehr selten. Die Vorbilder der Vergangenheit und der feste Glaube an die große Liebe werden mancher Frau finanziell zum Verhängnis. Es ist keine Neuentdeckung, dass dieser Zustand meistens durch die riesige Aufgabe, Kinder zu erziehen entsteht. Immer noch zahlt die Frau den Karrierepreis oder sie zerteilt sich zwischen Kind und Karriere. Hier sind wir endlich als Gesellschaft gefragt gemeinsam bessere Lebensmöglichkeiten zu erschaffen! Das muss doch möglich sein.

Natürlich ist es möglich als Frau UND Mutter weiterhin die Verantwortung für die eigene finanzielle Zukunft zu übernehmen und sie nicht an den Mann abzugeben, genauso wie der Mann die Verantwortung für die eigenen Kinder nicht nur an die Frau abgeben sollte. Sonst ist für beide das Erwachen im Falle einer Trennung dramatisch. Er findet keinen Zugang zu seinen Kindern und sie keinen zu ihrem Geld. In diesem Blogartikel schreibe ich über die Trennung trotz finanzieller Abhängigkeit.

Es wird immer so sein, dass wir als Paar nicht nur emotional, sondern eben auch finanziell und materiell verbunden sind. Nach einer Trennung geht es dann darum, beides wieder voneinander trennen.

Schenkungen oder Zuwendungen 

Sie hat das Sofa bezahlt, er die Garage, wer bekommt hierfür einen Ausgleich? Alles Fragen, die uns nach einer Scheidung beschäftigen, wenn wir vorher nicht alles vertraglich geregelt haben. Immer noch ist das die Ausnahme und das finde ich auch nachvollziehbar.  Leider landen deshalb viele Paare nach einer Trennung vor Gericht, um dort diese und ähnliche Fragen zu klären.

Bei Schenkungen gibt es keinen Ausgleich aber bei sogenannten gemeinschaftsbezogenen Zuwendungen, die bezahlt wurden, weil der Partner davon ausgehen konnte, dass die Beziehung Bestand hat, schon.

Manch ein Paar spart sich die teuren Anwaltskosten und gönnt sich auch für die Trennung eine Paartherapie, denn neben den rein materiellen Dingen, geht es auch darum, die Emotionen vom Partner zu trennen, egal ob Hass oder Liebe, beides hat eine hohe Bindungsenergie. Beides teilt sich leichter in Anwesenheit eines neutralen Profis.

Vom Geben und Nehmen 

Wenn uns jemand etwas schenkt, dann fühlen wir uns in der Pflicht einen Ausgleich zu schaffen und wir wollen dem anderen etwas zurück geben. Erst dann sind wir wieder im Gleichgewicht. Unter Freunden kann man das gut beobachten. Wenn wir z.B. mit einer Freundin essen gehen und sie bezahlt am Ende für uns beide, wollen wir beim nächsten Mal das Essen bezahlen. Können wir das nicht, nehmen wir die Einladung irgendwann nicht mehr an. Wir wollen uns nicht „schuldig“ fühlen. Deshalb halten finanziell ungleichgewichtige Freundschaften so schwer.

Das Gleiche gilt auf einer tieferen Ebene auch für die Paarbeziehung. Auch hier wollen wir etwas zurück geben, wenn wir etwas bekommen haben. Wenn das nicht möglich ist, beginnen wir uns unwohl zu fühlen. Manchmal werden wir dann sogar wütend auf den anderen. Das gilt nicht nur für Geld, sondern auch für Gefühle. Wenn wir die Gefühle des anderen nicht erwidern können, fühlen wir uns ebenfalls unwohl und „schuldig“

Eine Trennung ist oft für einen der beiden mit einem Schuldgefühl verbunden. Einen stimmigen Ausgleich zu finden und frei von Schuldgefühlen aus der Beziehung heraus zu gehen, ist sogar finanziell von Vorteil, denn Schuldgefühle sind teuer. Wir neigen dann dazu dem anderen alles zu überlassen, nur um diese Gefühle nicht zu fühlen und uns so davon „frei zu kaufen“. Das gelingt allerdings nur an der Oberfläche.

Im schlimmsten Fall übertragen wir dann das Schuldgefühl in die Beziehung zu unseren Kindern, dann denken wir immer, wir seien unseren Kindern noch etwas schuldig, weil wir ihre Mutter oder ihren Vater verlassen haben. Das Ergebnis sind dann Kinder, die immer unverschämtere Forderungen stellen und Eltern, die es nicht schaffen, sich abzugrenzen und auch mal Stopp zu sagen.

Ursache dafür sind nicht die unverschämten Kinder, sondern das Schuldgefühl dem anderen Elternteil gegenüber. Dieses Gefühl werden wir nur los, wenn wir uns ihm stellen und den Schmerz, der dahinter steckt fühlen.  Es geht darum, das eigene Verhalten zu verstehen und in Zukunft zu verändern, um klare und liebevolle Ansagen machen zu können.

Auf eigenen Füßen stehen 

Die deutsche Sprache hat viele schöne körperliche Begriffe für Beschreibungen, die eigentlich psychische Liebe und GeldZustände sind, zum Beispiel der Satz, dass wir auf den eigenen Füßen stehen sollen. Natürlich stehen wir alle auf den eigenen Füßen, worauf denn sonst?

Als Aufstellerin verstehe den Satz so, dass wir auf dem richtigen Platz innerhalb unseres Lebens stehen sollen. Dieser Platz zeigt sich in Aufstellungen so wunderbar, denn sobald wir ihn einnehmen, haben wir sofort viel mehr Kraft und Klarheit.

Dort können wir lernen, das Leben zu leben und achtsam mit unseren eigenen Ressourcen umzugehen, auch mit dem Geld, das in unsere Hände gelangt.

Geld kommt immer durch andere zu uns. Das gilt für den Milliardär genauso wie für den Bettler, entweder sind es unsere Kunden oder unsere Arbeitgeber, vielleicht auch der Staat oder unsere Familie, wir erschaffen das Geld nicht selbst.

Die Frage ist jedoch, wie stehen wir zu unseren „Geldgebern“? Schätzen wir sie und achten wir das, was sie uns geben, auch wenn es z.B. der Unterhalt nach einer ungewollten Trennung ist? Wenn ja, haben wir ein gutes Fundament auf dem wir mit unseren eigenen Füßen stehen und wir können das Geld mit Dankbarkeit nehmen und in derselben Haltung weitergeben.

Wenn nein, leben wir einen Konflikt, der uns den festen Halt im Leben kostet und es lohnt sich, über den Platz auf dem wir stehen nachzudenken.

Das Geld im System

Natürlich haben wir zum Thema Geld schon viel aus unserem Herkunftssystem übernommen. Deshalb fordere ich dazu auf, sich mit dem Verhalten der Eltern zu beschäftigen. Hilfreich sind Fragen wie diese vor allem dann, wenn es Schwierigkeiten mit Geld und Liebe gibt.

  • Wie war das Geld in der Herkunftsfamilie angesehen?
  • Welche Einstellung hatten unser Eltern zum Geld?
  • Vor allem auch unsere Mutter?
  • Stand sie auf eigenen Füßen oder war sie abhängig vom Geld, das der Mann nach Hause brachte?
  • Gab es Insolvenzen oder Vertreibungen, wodurch das Geld der Familie verloren ging?

Hier gibt es kein gut oder schlecht, nur ein so war es. Gerade in Trennungsberatungen schaue ich immer auch auf Geld der Familie. Ganz pragmatisch wir es dann mit aufgestellt und es gibt häufig tiefe Erkenntnisse und Klarheit darüber, welchen Stellenwert Geld in der eigenen Familie hatte und wieviel von diesem Stellenwert wir mitgenommen haben in unser eigenes Leben. 

Manchmal fühlen wir uns unfähig und viel zu klein um mit Geld umzugehen oder wir fühlen uns schlicht nicht zuständig. Manchmal halten wir krampfhaft am Geld fest und können es auf keinen Fall hergeben oder sogar teilen, weil wir Angst haben es zu verlieren. Hier steckt oft ein Vertriebenenschicksal dahinter.

Die finanzielle Trennung gelingt leichter, wenn wir um diese Zusammenhänge, die eigentlich nichts mit der jetzigen Situation zu tun haben wissen.

Persönliche Erlebnisse mit Geld und Liebe

Manchmal sind es auch kleine Ereignisse aus der eigenen Kindheit im Zusammenhang mit Geld, die uns immer noch beeinflussen.

Ich selbst war überrascht wie lange sich ein scheinbar harmloses Erlebnis aus meiner Kindheit noch ausgewirkt hat. Meine Mutter gab mir damals Geld in die Hand und sagte, kauf damit zu Weihnachten was du möchtest. Es waren unglaubliche 100,- DM!  das war SEHR viel Geld für ein 10jähriges Mädchen. Ich war im Glück und ging in jeden Laden unserer kleinen Stadt. Am Ende dieses wundervollen Tages hatte ich das ganze Geld ausgegeben.

Ich hatte für jeden tolle Weihnachtsgeschenke aber auch schöne Dinge für mich selbst gekauft. Voller Freude und Begeisterung ging ich nach Hause und zeigte meiner Mutter die ganzen Sachen – ihre Geschenke natürlich nicht 😉 

Aber sie freute sich gar nicht! Im Gegenteil, sie war entsetzt darüber, dass ich alles ausgegeben hatte. Sie schimpfte mit mir und meine ganze Freude war dahin. Ich wollte am liebsten sofort alles wieder zurück bringen. Ich fühlte mich schuldig und schlecht. Leider weiß ich nicht mehr, wie die Geschichte ausging, aber ich glaube ich habe die Sachen behalten.

Das ist eine ganz normale Geschichte, die so oder so ähnlich bestimmt auch anderen passiert ist. Aber Jahre später fiel mir auf, dass mich dieses Gefühl beim Geld ausgeben immer noch begleitet. Ich gab immer alles aus, fühlte mich dabei aber generell schuldig und schlecht, bis ich mit Hilfe eines Coaching bei Nicole Rupp die Zusammenhänge aufdecken konnte – Ich kann sie euch wirklich von Herzen empfehlen. Endlich durfte die Freude des kleinen Mädchens an den schönen Dingen, die Geld ermöglichen kann wieder da sein. 

Wie sieht es bei euch aus? Was habt ihr für ein Gefühl zu eurem Geld und zu euren „Geldgebern“? Diese Gefühle sind wichtig, geht ihnen nach und forscht ein bisschen. Vor allem dann, wenn das Thema Geld in eurer Beziehung immer wieder zu Streit und Unstimmigkeiten führt. Oder wenn ihr auf Grund von finanzieller Abhängigkeit in einer wirklich schlechten Beziehung stecken bleibt. Holt euch Unterstützung, wenn es sehr dramatisch ist. Gerne bin ich für euch da.

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