Geld oder Liebe

Geld oder Liebe

Ich bin mit einem seltsamen Verhältnis zum Geld aufgewachsen. Nach außen eher kühl, war ich innerlich sehr romantisch. Vor allem war ich mir sicher, wenn die Liebe fließt, dann ist alles gut und dann fließt auch das Geld.  Wenn ich in der Fernsehshow „Geld oder Liebe?“ eine Wahl hätte treffen müssen, hätte ich immer die Liebe gewählt. Mir war gar nicht klar, dass schon die Frage nach Geld oder Liebe völliger Schwachsinn ist. Denn natürlich ist die richtige Antwort sowohl als auch! 

Ich war mir sicher, dass Geld genauso wie die Liebe immer mehr wird, wenn man es großzügig verteilt. Ein fataler Irrtum, der mich viel Geld gekostet hat. Denn eigentlich ist Geld eher wie Wasser. Es braucht Halt und Struktur damit es nicht einfach irgendwo nutzlos versickert.

Blogparade 

Dieser Beitrag ist für die Blogparade von „Klunkerchen“ (Geldstrategien für Frauen – und alle Menschen). Die Vorgabe für die Teilnehmer an der Blogparade war, dass es um Geld und Partnerschaft gehen muss. Und zwar um den ganz persönlichen Umgang mit Geld in der Partnerschaft.

Geld oder Liebe und die eigene Haltung

Wer ein bisschen mit Persönlichkeitsentwicklung und Spiritualität zu tun hat, kommt schnell auf die Idee, er oder sie müsse nur die eigene Haltung, neumodisch auch Mindset genannt, verändern und schon kommt das Geld von ganz alleine. Auch System- oder Geldaufstellungen (meine Lieblingsmethode) sollen helfen, eine bessere Beziehung zum Geld herzustellen, damit es wieder – oder endlich – fließen kann. 

Da ist auch etwas Wahres dran. Als ich zum Beispiel in einem Coaching gebeten wurde, mir vorzustellen, wie mein Geld aussehen würde, wenn es eine  Person wäre, tauchte da so ein sehr unangenehmer Bankertyp auf. Mein erster Satz war, der soll bloß wieder abhauen. Tja, und genauso war es bis dahin mit dem Geld in meinem Leben. Egal wieviel Geld ich hatte, es verschwand genauso schnell wieder und ich hatte meine Ruhe.

All das tat ich natürlich nicht bewusst, denn eigentlich wollte ich Geld haben und es auch behalten. Aber dieser Typ, also mein inneres Bild vom Geld, gefiel mir gar nicht, mit dem wollte ich möglichst wenig zu tun haben.

Natürlich ließ mein Coach mich nicht mit diesem Bild allein. Wir fingen an, das Bild zu verändern und aus dem Mann mit Anzug, Weste, Krawatte und Trenchcoat wurde ein entspannter Kerl mit langen Haaren und T-Shirt. Dieser Typ gefiel mir wirklich gut und mit dem konnte ich mir vorstellen ganz viel Zeit zu verbringen.

Also alles gut? 

Na ja nicht ganz, denn was keiner nach so einer Arbeit am Mindset sagt ist, dass diese Methoden zwar ein sinnvoller Einstieg in das Thema sind, aber dann folgt ganz normales logisches Vorgehen. Es braucht Ausdauer und Geduld aber auch Wissen über die aktuellen Finanzmärkte. Und vor allem braucht es Klarheit über die eigenen finanziellen Mittel. Es geht darum, sich nicht in dem schönen Bild von dem Kerl mit den langen Haaren zu verlieren und zu glauben, damit ist es getan. Das Geld wird jetzt irgendwie selbst dafür sorgen, dass es zu mir kommt und dann auch bei mir bleibt. Meistens passiert das nicht einfach so, nur weil man das innere Bild verändert hat. Einfach so passieren ganz andere Dinge.

Geld oder Liebe und die Herkunftsfamilie

Geld oder Liebe und KinderMitte der 90iger Jahre las ich Bücher über Geld und Frauen und über die ungerechte Verteilung des Geldes in der Welt. Besonders beschäftigte mich die Tatsache, dass immer noch 98% des weltweiten Besitzes in der Hand von Männern ist. Mir wurde auf einmal klar, wie wichtig es für die ganze Gesellschaft ist, dass wir über die Verteilung der Ressourcen der Welt nachdenken.

Damals verdienten mein Mann und ich noch ungefähr gleich viel Geld und ich dachte, das wird auch so bleiben. Wenigstens in meinem Leben wollte ich mich nicht mit 2 % zufrieden geben. Dann kamen die Kinder und alles wurde anders. Plötzlich war ich abhängig vom Geld meines Mannes und ich sah keine Möglichkeit, das zu verändern.

Was war passiert? Blind war ich dem Vorbild aus meiner Herkunftsfamilie gefolgt und in die Falle der loyalen Bindung des Kindes an die Mutter getappt. Meine Mutter hatte sich auch um uns Kinder gekümmert, kein eigenes Geld verdient und ich folgte diesem Vorbild, nicht zu 100%, sondern ich versuchte neben der Kindererziehung zu arbeiten und ein bisschen Geld zu verdienen, aber innerlich war ich damit unglücklich.

Aber dann machte es auf einmal „Klick“. Ja, so war es, ich kann es nicht genauer erläutern. Es war ein Gedanke, ein kurzer Moment, ein paar Sekunden und mir war klar, so geht das nicht! Es macht keinen Sinn, das nächste Buch über die richtige Einstellung zum Geld zu lesen, das nächste Geldseminar zu besuchen oder den nächsten Streit mit meinem Mann über Geld zu führen. 

Ein klarer Blick

Und so begann ich hinzugucken. Ich startete ganz simpel mit einer Einnahmen / Ausgaben Tabelle und ich beherzigte endlich den Ratschlag, der in all den Ratgebern stand, die ich Geld oder Liebe _ Einnahmen und Ausgabenmittlerweile gelesen hatte. Ich legte 10% meiner Einnahmen konsequent zur Seite. Das Wichtigste aber war, dass wir als Paar endlich begannen über Geld zu sprechen. Mein Gefühl abhängig von ihm zu sein, hatte genauso Platz wie sein Gefühl überfordert mit dem Geld verdienen zu sein. Vor allem achteten wir darauf, in den schönen Augenblicken immer mal wieder über unsere Finanzen zu sprechen und nicht in den Momenten, in denen wir uns gerade sowieso schon stritten.

Die Details über konkrete Absprachen, Verträge und Aufteilung des Geldes spare ich mir an dieser Stelle, denn darüber ist eigentlich schon alles gesagt. Auch die anderen Blogartikel dieser Blogparade haben gute Tipps und Beispiele, wie Paare mit dem Thema Geld in ihrer Beziehung umgehen. Auch hier in meinem Blogartikel zum Thema steht ein bisschen mehr dazu.

Der dritte Weg

Heute wissen wir ganz genau, wieviel Geld wir haben, wieviel wir brauchen und nach fast 20 Ehejahren teilen wir unser Geld auch nicht mehr in Meins und Deins. Alles was da ist, gehört uns beiden, es gibt nur noch ein Unser. Obwohl wir sehr unterschiedliche Haltungen zum Geld haben, gehen wir einen gemeinsamen Weg.

Das ist manchmal wirklich schwer. Trotzdem ermuntere ich Paare in meiner Beratung immer dazu, sich diese Mühe zu machen und keine Kompromisse einzugehen. Gerade dann, wenn beide das Gefühl haben, der andere will immer genau das Gegenteil von dem was ich will. Das gilt natürlich nicht nur beim Thema Geld, aber häufig behandeln wir gerade Geld im Zusammenhang mit Partnerschaft wie ein Tabuthema. Der gemeinsame, dritte Weg schenkt ungeahnte Möglichkeiten und erweitert den Horizont. Das Stück vom Kuchen des Lebens wird sehr viel größer, wenn beide darauf verzichten, immer nur an dem eigenen kleinen Stück festzuhalten. 

Ich bin auch jetzt noch abhängig von meinem Mann aber er eben auch von mir, denn nur zusammen sind wir ein Team. Wir ergänzen uns und vor allem bereichern wir uns gegenseitig.  Im Falle einer sehr unwahrscheinlichen Trennung wissen wir beide, was uns diese kosten wird. Der klare Blick und die Tabellen waren dafür ein erster, wesentlicher Schritt. 

Einen Hinweis kann ich mir an dieser Stelle nicht verkneifen, denn ich arbeite gerade an einem Onlinekongress mit dem Thema Sexualität. Wie Geld und Sexualität zusammen hängen, wird auch in einem der Gespräche eine Rolle spielen. Hier könnt ihr euch gratis anmelden und dabei sein.

Geld oder Liebe und Sexualitaet

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