Die 21. Venus

Was für ein Tag! Schon allein das Datum beschäftigt mich bereits das ganze Jahr über. Es ist ein extremes Datum für eine Frau. Es ist der 12.10.17 – mein 50er Geburtstag! Weder Urlaub noch Party kommen aus beruflichen Gründen in Frage – keine Zeit.

Aber es soll trotzdem ein besonderer Tag sein, soviel ist klar. Und da ich gerade mit meiner Kollegin Elinor Petzold den Onlinekongress über Sexualität  organisiere, der am 2.11.2017 startet, wage ich ein Experiment. Ich gehe auf die Erotikmesse, die zufällig am 12.10. startet!

Natürlich interessiert mich Sexualität beruflich als Paartherapeutin und persönlich als Ehefrau aber diese Messe hat mich noch nie interessiert. Es ist die 21. Venus in Berlin und es werden über 30.000 Besucher und ein paar Besucherinnen erwartet. Eine davon bin ich. Wie ihr seht bin ich nicht allein. Der Andrang erstaunt mich wirklich.

21. Venus

Klar sind es prozentual mehr Männer als Frauen aber vor allem sind es prozentual mehr Menschen, die uns überall begegnen als Menschen, die irgendwie skurril sind.

Die skurrilen Menschen gibt es auch, keine Frage. Da ist der Mann, der sich als Hund an die Leine nehmen lässt, die Pornodarstellerin, die vor Stress und Überforderung zusammen bricht oder die aufwändig zurecht gemachte Clubbetreiberin, für die das hier ein harter Businesstag ist. Von ihnen geht eine gewisse Faszination aus, aber ich spüre auch das andere, das Traurige, das hier in dem ZeitMagazin sehr schön beschrieben ist.

Zunächst bin ich sehr stolz auf mich, dass ich mich nicht irgendwie mühsam heraus geputzt habe. Keine hohen Schuhe, die ich sowieso nicht gerne anziehe und schon gar nicht auf Messen und ganz normale Kleidung und Make-up. Natürlich hatte ich überlegt, was ziehe ich an, wie will ich aussehen. Am Ende dieser sehr kurzen Überlegung war klar, so wie immer. Diese Entscheidung haben bestimmt 90 Prozent der Besucher und Besucherinnen auch getroffen. Es gibt also keinen Grund, nicht hinzugehen, nur weil man denkt nicht die richtige Kleidung zu haben.

Aber es gibt andere Gründe, nicht auf diese Messe zu gehen. Warum ich ganz sicher nicht auf die 22. Venus gehe liegt an den Verletzungen, die die ganze Zeit präsent waren. Die Verletzungen, die wir der sexuellen Energie angetan haben, seit Jahrhunderten. Sie zeigen sich in den Gesichtern der Menschen, in den erigierten Objektiven und am deutlichsten in den pornografischen Darstellungen auf diversen Wiedergabegeräten und manchmal auch live. Diese Verletzungen machen mich traurig. Mein Mann, der auch kurz mit dabei war, meinte, ihn würde das alles eher langweilen. Ja, so kann man es auch sagen.

Man kann auch sagen – verdammt nochmal was tun wir uns hier an? Nein, das alles hat nichts mit schöner, erfüllender Sexualität zu tun, es hat auch nichts mit Ekstase und echter Geilheit zu tun. Hier werden Verletzungen vermarktet und es schmerzt dabei zuzuschauen.

Trotzdem hat sich dieser Ausflug gelohnt, denn ich empfehle langjährigen Partnern immer mal wieder den eigenen Horizont zu erweitern und irgendwohin zu gehen, wo keiner von beiden schon mal war. Diese Erlebnisse verbinden und sorgen ganz banal für Gesprächsstoff. Außerdem haben mein Mann und ich ein paar Sexspielzeuge zu einem wirklich günstigen Messepreis gekauft. Der Blick in den Abgrund hat sich also doch ein bisschen gelohnt.

Und gegen die Verletzungen veranstalten meine Kollegin und ich unseren wunderbaren Onlinekongress. Darin geht es um Wege durch das Labyrinth der Sexualität!

Ihr könnt gratis dabei uns den Gesprächen lauschen, die wir jetzt schon seit Monaten führen. Sie sind wirklich berührend und erweitern den Horizont.

Ihr seid alle herzlich Willkommen – mit und ohne Verletzungen!

Sexualitaetskongress

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