7 Phasen einer Beziehungskrise

Beziehungskrise

Natürlich sind unsere Beziehungen individuell, sie alle sind ganz besonders und wertvoll. Vor allem intime Paarbeziehungen sind etwas einzigartiges und sie sind auch nur mit diesem einen Partner möglich. Wir können sie niemals mit einem anderen Menschen einfach wieder holen.

Aber zu jeder Beziehung gehören auch Krisen und diese  lassen sich in folgende Phasen einteilen.

Verliebtheitsphase

Die erste Phase ist geprägt von der Begeisterung füreinander. Wir schweben auf Wolke 7 und sehen nur das Positive im Anderen. Wir finden sehr viele Übereinstimmungen. Es ist als, wären wir endlich komplett, als habe der andere schon immer gefehlt und wir waren auf der Suche nach ihm.

Plötzlich glauben wir die Geschichte von Platon und den Kugelmenschen, die in der Mitte geteilt wurden und deshalb immer auf der Suche nach ihrer zweiten Hälfte sind. Wir sind sicher, dass wir unsere zweite Hälfte gefunden haben. Jetzt sind wir rund.  Wir sind glücklich und wie im Rausch. Wir fühlen uns stark und unbesiegbar, das Leben ist schön, die Zukunft kann kommen.

Dinge, die wir früher niemals gemacht hätten machen wir jetzt aus Liebe zum anderen mit. Dinge, die wir früher immer gerne gemacht haben, vernachlässigen wir oder wir verzichten aus Liebe zum anderen ganz auf sie. Der Startknopf für die Beziehungskrise ist gedrückt.

Ernüchterungsphase

Auf die Verliebtheitsphase folgt unweigerlich der Moment, in dem wir uns aneinander gewöhnen. Die Wirkung der Droge „Partner“ lässt nach. In manchen Beziehungen kommt diese Phase früher in anderen später. Die Verliebtheitsphase dauert zwischen 9 Monaten und 2 Jahren bis es zur Ernüchterung kommt. Wir stellen fest, der Andere ist auch nur ein Mensch mit Fehlern und nicht alles was er oder sie mag, finden wir gut.

Erste Kompromisse werden gemacht, wenn es ihm gefällt gucken wir diesen Film im Kino oder wenn sie unbedingt will, gehe ich mit ihr zum Tanzkurs. Wir haben auch schon in der ersten Phase Dinge getan, weil sie dem anderen gefallen. Es ist nur nicht so schwer gefallen. Jetzt entscheiden wir uns ständig zwischen dem ICH und dem WIR. Das kann bei der Wahl von Freizeitaktivitäten beginnen und bei der Entscheidung für oder gegen ein Kind enden. Wir beginnen zu glauben, dass wir uns GEGEN den anderen durchsetzen müssen! Statt gemeinsame Entscheidungen zu treffen, geben wir entweder widerwillig nach oder wir setzen uns ohne Rücksicht auf den Anderen durch.

(Schein)Harmoniephase

Je länger wir mit demselben Menschen zusammen bleiben, desto größer sind die Kompromisse, die wir eingegangen sind. Wir opfern unsere Eigenständigkeit einer scheinbaren Harmonie in der Beziehung.

Jetzt kann es sein, dass wir nur noch nebeneinander her leben. Wir zetteln keinen Streit mehr an, weil wir schon ahnen, es ist aussichtslos. Wir glauben zu wissen, wie der Andere reagiert, glauben ihn genau zu kennen. Dabei ist es wie der Algorithmus auf Facebook, wir erleben nur noch das was wir am Anfang mal geliked haben. Wir benehmen uns als wären wir lebendig konserviert, nur um die Harmonie nicht zu stören.

Das geht bei manchen Paaren jahrelang „gut“ aber immer kommt der Punkt, an dem es für einen von beiden nicht mehr auszuhalten ist. Noch eine EINZIGE Rücksichtnahme und er oder sie verliert die komplette Identität. Etwas muss sich ändern. Es ist zu eng geworden in der Beziehung. Die ständige Rücksichtnahme hat alles ausradiert, was nicht dazu gehören soll. Es ist ein ewig gleicher einstudierter Paartanz. Beide kennen die Schritte ganz genau und es scheint kein Entkommen zu geben.

Eskalationsphase

Einer von beiden bricht aus, hört auf zu tanzen. Diesen Tanz wollen wir auf keinen Fall mehr mitmachen! Wir sind wütend und streiten uns ständig. Gesprächsversuche enden immer entweder in der Eskalation oder im Schweigen. Erst jetzt erkennen wir die Beziehungskrise, deren Anfang wir gar nicht bemerkt haben.  Wenn sich nicht bald etwas tut, trennen wir uns. Am liebsten würden wir alles hinschmeißen.

Das hier ist auch die Phase in der plötzlich andere mögliche Partner oder Partnerinnen auftauchen, manchmal sogar zwei oder drei. Als hätte jemand einen Vorhang entfernt, hinter dem diese möglichen andern Partner die ganze Zeit versteckt waren. Wir verlieben uns in jemand anderen und manchmal kommt es auch zu Außenbeziehungen. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, an dem wir zur Paartherapie gehen. Die ständige Streiterei zermürbt uns, wir wissen aber nicht, was wir verändern können, die Außenbeziehung bedroht uns.

Entscheidungsphase

Eine Entscheidung muss getroffen werden! Wollt ihr gemeinsam weiter gehen oder geht ihr ab jetzt getrennte Wege? Diese Entscheidung ist die Voraussetzung für den nächsten Schritt. Wenn wir hier nicht ganz klar JA zueinander sagen, verlängern wir nur die Eskalationsphase. 

Wir stecken richtig tief drin und fest in der Krise. Alte Verletzungen kommen hoch, Verletzungen, die wir bisher sogar vor uns selbst verdrängt haben. Wir fragen uns fast täglich, ob das wirklich der Mensch ist, mit dem wir weiter gehen wollen, in den wir uns einmal verliebt haben. Wir können nicht mehr so tun, als wäre alles in Ordnung.

Schaffen wir es, uns beide wirklich für die Beziehung zu entscheiden, kann es weiter gehen. Die nächste Phase beginnt.

Differenzierungsphase

Jetzt geht es darum heraus zu finden, wer wir ohne unseren Partner sind. Was ist eigentlich unser persönliches Ziel oder unser Traum für dieses Leben.

Wir holen unsere Emotionen wieder zu uns zurück. Sie waren für eine Zeit beim Partner geparkt, aber wir erkennen, dass wir selbst die Verantwortung für unser Lebensglück haben. Darum geht es in dieser Phase. Wenn es uns gelingt, alleine zu sein, uns selbst zu beruhigen und sogar im Konflikt weiterhin im Kontakt mit dem anderen zu bleiben, nicht wegzugehen, dann hat unser JA zur Beziehung einen neuen Wert erreicht. Es ist frei von Abhängigkeit.

Wir sind glücklich verbunden und frei innerhalb der Beziehung. 

Entwicklungsphase

Mutig zeigen wir uns jetzt endlich mit unseren Wünschen aber auch mit all unseren Verletzungen dem anderen. Manchmal hören wir nach vielen Jahren, dass der andere viel lieber an ganz anderen Stellen gestreichelt werden möchte, als wir immer gedacht haben. Manchmal kann unser Partner zum ersten Mal wirklich sein Herz öffnen und von seinen tiefsten Gefühlen sprechen.

Jetzt trauen wir uns auch wirklich etwas zu verändern, uns selbst zu lieben und trotzdem in der Beziehung zu bleiben. Kompromisse sind nicht mehr nötig. Konflikte werden gelöst, indem wir uns immer auf die Suche nach der einzigartigen Lösung machen, die nur wir Beide gemeinsam finden können. Dazu suchen wir so lange, bis es für keinen von uns mehr ein Kompromiss ist. Jetzt macht Beziehung wieder Spaß. Wir haben das nächste Level erreicht.

Die Beziehungskrise ist überstanden.

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